„Wir brauchen jede und jeden – Leistungsfähige Jugendberufsagenturen für Sachsen“

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Präsident,

Werte Kolleginnen und Kollegen,

Eigentlich müsste man ja meinen, dass der Weg für junge Menschen in den Arbeitsmarkt ein leichter sei.

Wir sprechen in Sachsen beinahe von Vollbeschäftigung, in einzelnen Bereichen ist von Fachkräftemangel die Rede und die Zeiten, wo auf eine Leerstelle im Schnitt zehn und mehr Bewerber kamen, ist inzwischen zum Glück auch vorüber.

Also alles in Butter?

Keineswegs. Nach wie vor beginnen viele junge Menschen keine Ausbildung oder brechen sie vorfristig ab. In Sachsen wird rund jede vierte Berufsausbildung vorzeitig beendet.

Die Gründe sind vielfältig. Sie reichen von einer gestiegenen Erwartungshaltung an den Ausbildungsbetrieb über falsche Vorstellungen vom Beruf bis zu persönlichen Schwierigkeiten der Azubis.

Und ja, nicht jede abgebrochene Ausbildung endet in der Perspektivlosigkeit. Für viele ist sie auch Beginn einer erfolgreichen Neuorientierung.

Dennoch bleibt unterm Strich die Erkenntnis, dass die Abbrecherquote hier im Freistaat genauso wie die Jugendarbeitslosigkeit deutlich über dem Bundesschnitt liegt. Und nicht selten setzt sich da ein Teufelskreis fort, der bereits früher begann.

Wenn wir in Deutschland zu Recht immer wieder auf die Vorzüge und Stärken der Berufsausbildung und insbesondere des dualen System verweisen, dann hat diese starke Orientierung an formalen Abschlüssen – viel stärker als zum Beispiel in Großbritannien oder Nordamerika – auch eine Kehrseite.

Ohne Schulabschluss keine Berufsausbildung, ohne Berufsausbildung kein Zugang zu guter Arbeit, ohne gute Arbeit keine Perspektive.

Das ist insofern besonders ein sächsisches Thema, als das der Anteil von jungen Menschen die die Schule ohne Abschluss verlassen zwar in den letzten Jahren gesunken ist, aber noch immer um rund ein Drittel über dem bundesweiten Mittelwert liegt. Keine guten Voraussetzungen für den Start in das Berufsleben.

Oftmals summieren sich jedoch die Schwierigkeiten. Kein Schulabschluss, private Probleme und dann noch verschiedene Einrichtungen und Rechtskreise die für die Bewältigung der einzelnen Alltagsprobleme zuständig sind: für die Berufsberatung ist es die Bundesagentur für Arbeit, für die psychologische Betreuung ist es die Jugendhilfe und Arbeitslosengeld gibt’s beim Jobcenter.

Unterschiedliche Akteure mit eigenen Regeln, eigenen Budgets und eigenen Angeboten. Viele verschiedene Wege, nicht immer leicht hier den Überblick zu behalten.

Genau hier setzte 2010 das gemeinsam vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit initiierten „Arbeitsbündnis Jugend und Beruf“ an, das eine stärkere Verzahnung der vorhandenen Angebote und die Beratung „unter einem Dach“ zum Ziel hatte, woraus letztlich auch die Jugendberufsagenturen entstanden sind. Hamburg war hier vor allem in qualitativer Sicht Vorreiter, inzwischen existieren sie in jedem Bundesland.

Auch in Sachsen hat sich die Idee mittlerweile flächendeckend etabliert, der Erzgebirgskreis war bis Ende letzten Jahres noch der Nachzügler. Inzwischen haben aber alle Landkreise und kreisfreien Städte Mittel aus dem Förderprogramm „Jugendberufsagentur Sachsen“ beantragt und im Dezember seitens der SAB auch bewilligt bekommen.

Wir hatten ja im letzten Doppelhaushalt die Mittel hierfür nochmals aufgestockt. Ich denke das war parteiübergreifend nicht strittig. Ebenso herrscht hier im Hause sicher Konsens, dass es wichtig ist auch die Schulen als Partner ins Boot zu holen um einen gelungenen Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen.

Mit Blick auf die konkrete Lage vor Ort bleibt jedoch die Erkenntnis, dass Art und Umfang der Verzahnung und bereichsübergreifenden Arbeit in den einzelnen Jugendberufsagenturen nach wie vor unterschiedlich ist, arbeiten sie doch in dezentraler Verantwortung und es kommt auf die Handlungsbedarfe und die Kooperationsbereitschaft vor Ort an. Böse Zungen behaupteten sogar es sei mancherorts bisher nicht mehr passiert, als das das Türschild ausgetauscht wurde.

Darum ist es nicht falsch, wenn der Antrag an die landesweite Kooperations-Vereinbarung zwischen der Staatsregierung, der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und den Kommunalen Spitzenverbänden von 2017 erinnert, um den flächendeckenden Aufbau und die Verstetigung der Jugendberufsagenturen zu fordern.

Wobei es bei mir durchaus auch Fragen hinterlässt, wenn die Staatsregierung per Antrag zur weiteren Erfüllung von ihr bewusst herbeigeführter Vereinbarungen aufgefordert wird. Eine regelmäßige Einbeziehung und Information der zuständigen Fachausschüsse bei der Entstehung und Umsetzung der Vereinbarung wäre in meinen Augen der sinnvollere Weg gewesen.

So bleibt ein bisschen der Schale Beigeschmack, dass er zu den seitens der Staatsregierung bei den Koalitionsparteien bestellten Schaufensteranträgen gehört, für die sich dann der zuständige Minister artig für den bedanken kann um dann zum Selbstlob anzusetzen.

Unabhängig davon halten wir das Ziel der Jugendberufsagenturen für richtig. Auch als Linke wollen wir dass sie flächendeckend im Freistaat arbeiten und das nach einheitlichen Ansätzen.

Von daher, und da wir ja auch Eigenlob gönnen können, freuen wir uns schon auf die Ausführungen von Staatsminister Dulig und stimmen dem Antrag zu.

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