Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag

Gemeinsam gegen Einsamkeit!

Einsamkeit wird oft unterschätzt. Dabei betrifft sie viele Menschen – ältere, aber auch immer mehr junge. Armut verstärkt soziale Isolation zusätzlich. Die Regierenden haben das Problem bisher nicht im Blick. Die Linksfraktion will das dringend ändern und die Gesellschaft geselliger machen.

Während es früher üblich war, sich in der Kneipe, im Kino oder im Café zu treffen, ist das heute vor allem eine Geldfrage – wenn es überhaupt noch einen nahen Begegnungsort gibt, der ohne Auto erreichbar ist. Soziale Kontakte erfordern einen viel größeren Aufwand, und das Handy ersetzt keine persönliche Begegnung. Außerdem wurden oder werden viele Familien getrennt, wenn der Nachwuchs Arbeit in der Großstadt oder gar in anderen Bundesländern suchen muss. Nur wenige kommen häufig zu Besuch. Und wer keine Kinder oder Enkelkinder hat, bleibt noch häufiger allein.

 

Immer mehr Singlehaushalte, auch in Sachsen

Bundesweit lebt ein Fünftel der Bevölkerung allein, im Freistaat betrifft das fast eine Million Menschen. Die Zahl der Singlehaushalte wächst. Einsamkeit und Isolation plagen nicht nur ältere Menschen, sondern in hohem Maße auch Jüngere. Die meisten Menschen kennen zumindest zeitweise das Gefühl der Einsamkeit. Etwa 11,3 Prozent der Menschen in Deutschland gaben 2021 an (neuere Zahlen liegen noch nicht vor), einsamkeitsbelastet zu sein, also häufig unter solchen Gefühlen zu leiden. Nicht nur pflegebedürftige und mobilitätseingeschränkte Menschen können einsam sein, auch pflegende Angehörige oder Menschen mit Sorgeverpflichtungen, insbesondere Alleinerziehende, geraten schnell ins soziale Abseits.

Einsamkeit kostet Gesundheit – schlimmstenfalls sogar das Leben

Insbesondere chronische Einsamkeitsgefühle können zu Teufelskreisen aus Isolation, Stress und Rückzug führen. Starke psychische Belastung erhöht das Risiko für Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen. Im Alter steigt zudem das Risiko für demenzielle Krankheitsbilder. Doch auch die körperliche Gesundheit kann stark beeinträchtigt sein, etwa durch ein höheres Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Internationale Studien zeigen, dass Menschen mit schwachen sozialen Beziehungen ein um 50 Prozent erhöhtes Sterblichkeitsrisiko aufweisen – das ist vergleichbar mit dem Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag und sogar gefährlicher als Übergewicht oder Bewegungsmangel. Nicht zuletzt unterstreicht auch Sachsens sehr hohe Suizidrate – 2022 war sie mit 17,2 Fällen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die höchste aller Bundesländer –, wie dringlich es ist, alle Ursachen psychosozialer Belastung zu bekämpfen. Einsamkeit ist eine davon.

 

Andere Länder gehen voran

Großbritannien erhielt 2018 viel Aufmerksamkeit, als dort ein Ministerium für Sport, Zivilgesellschaft und Einsamkeit eingerichtet wurde, um eine landesweite Strategie zu koordinieren. Auch in den Niederlanden startete ein solches Programm bereits. In Nordrhein-Westfalen legte 2022 eine Enquete-Kommission ihren Abschlussbericht mit zahlreichen Handlungsempfehlungen vor. Und 2023 veröffentlichte die Bundesregierung eine Strategie gegen Einsamkeit und lässt regelmäßig ein Einsamkeitsbarometer erstellen. Demnach war Sachsen 2021 das Bundesland mit der zweithöchsten Einsamkeitsbelastung nach Nordrhein-Westfalen. 12,5 Prozent der Menschen gaben an, unter solchen Gefühlen zu leiden, was über dem Bundesdurchschnitt liegt.

Gesellschaften mit gutem Zusammenhalt sind freundlicher, friedlicher, produktiver, gesünder

In Sachsen gibt es bislang keine tiefe Auseinandersetzung mit dem Einsamkeitsproblem, Daten und eine Handlungsstrategie fehlen. Unser Land verdient aber eine Regierung, die den Zusammenhalt stärkt! Die Linksfraktion hat Vorschläge ins Parlament gebracht. Über einen entsprechenden Antrag verhandeln wir in diesem Jahr mit der Minderheitsregierung (Landtags-Drucksache 8/4891). So wollen wir nicht nur Aufmerksamkeit für das unterschätzte Problem schaffen, sondern auch Lösungen anstoßen. Wir werden im Rahmen des Konsultationsmechanismus versuchen, dafür eine Mehrheit im Parlament zu erreichen. Sachsen verdient eine landesweite Strategie für mehr Gemeinsamkeit. Wir müssen wieder enger zusammenstehen, gerade in Krisenzeiten – in den Dörfern, aber auch in den kleinen und großen Städten.

Unsere Vorschläge für mehr Gemeinschaft

Es sind viele Mittel denkbar, mit denen die Regierung gegen Einsamkeit und soziale Isolation vorgehen sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern kann. Wir schlagen diese Wege vor und sind offen für weitere:

Zusammenhalt erfordert Orte, an denen die Menschen zusammenkommen können – Jugendklubs, Parks, Nachbarschaftszentren, Kulturhäuser, Bibliotheken, Museen, Spielplätze, Sitzecken, Sportanlagen. Das beugt Einsamkeit und Isolation vor. Die Kommunen sollten so viele Trefforte wir möglich unterhalten oder erhalten können. Sie sollten aber auch ehrenamtliches Engagement unterstützen, das solche Angebote schafft, und schon deshalb vom Freistaat besser finanziert werden. Auch die Förderung von Vereinen, Jugendfeuerwehren oder der Freiwilligendienste ermöglicht Geselligkeit. Begegnungsorte müssen allen zugänglich sein.

Einsame Menschen können im Ehrenamt aktiv werden, wieder Kontakte knüpfen und anderen helfen, denen es ebenso geht. Das Beispiel der Nachbarschafts- und Alltagshilfen zeigt, dass einsamkeitsbelastete Menschen sowohl selbst als ehrenamtlich Tätige profitieren, weil sie wieder mit anderen Menschen interagieren und Selbstwirksamkeit erfahren. So profitieren alle Betroffenen von den Hilfsangeboten. Das heißt für den Freistaat: Das Ehrenamt weiter und stärker fördern! Helfen können beispielsweise koordinierende Stellen für freiwilliges Engagement oder Qualifizierungsangebote für Ehrenamtliche.

Der Freistaat könnte die Kommunen dabei unterstützen, „Plauderbänke“ aufzustellen. Es gibt sie schon in mehreren Städten, etwa in Berlin. Wer sie nutzt, signalisiert den Wunsch, auch mit unbekannten Menschen ins Gespräch zu kommen. Daraus können sich Bekanntschaften und Freundschaften entwickeln.

Bild: Plauderbank, CC-BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Die Staatsregierung sollte eine ressortübergreifende Landesstrategie gegen Einsamkeit entwickeln und dabei auch Sachverständige aus Forschung und Praxis sowie die Perspektive von Betroffenen einbeziehen.

Angebote der allgemeinen Sozialberatung als zentrale Anlauf- und Vermittlungsstellen im Hilfesystem müssen erhalten und ausgebaut werden. Hilfs- und Sorgentelefone oder vergleichbare Angebote zur Krisenintervention sowie aufsuchende Angebote müssen besser ausgestattet werden.

Fachkräfte insbesondere in der Sozialen Arbeit, der Pflege- und Gesundheitsversorgung, der psychosozialen Versorgung, der Integrationsarbeit, der Eingliederungshilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe sollten weitergebildet und vernetzt werden. Das stärkt sie im Umgang mit Einsamkeit.

Ein wissenschaftliches Institut sollte den Auftrag für eine Studie zum Ausmaß von Einsamkeit erhalten. Zudem müsste das Thema für sein langfristiges Monitoring in die Sozialberichterstattung aufgenommen werden. So lassen sich Handlungsstrategien regelmäßig überprüfen und verbessern.

Alle relevanten Förderrichtlinien sollten darauf überprüft werden, ob sie im Sinne der Einsamkeitsvorbeugung und -bekämpfung wirksamer gemacht werden können – insbesondere für die Richtlinien Orte des Gemeinwesens, Gesundheit und Versorgung, Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Selbstbestimmte Teilhabe sowie Mehrgenerationenwohnen.

Kulturelle, sportliche und touristische Angebote, die sich vor allem an alleinstehende Menschen richten, sollten ausgebaut werden.

Das wirksamste Mittel gegen Einsamkeit ist freilich eine Politik, die überall gute Einkommen und Lebensbedingungen schafft. Dann muss aus diesen Gründen bestenfalls kein junger Mensch mehr dauerhaft wegziehen – und es wäre kein Armutsrisiko, Kinder zu bekommen.

Teilt gern mit uns eure Vorschläge und Erfahrungen: Schreibt uns!

Einsamkeit ist ein großes Problem

Viele Menschen fühlen sich einsam.
Das betrifft alte und junge Menschen.
Armut macht die Einsamkeit schlimmer.
Die Regierung hat das Problem noch nicht genug beachtet.
Die Linkspartei will das ändern.

Früher gab es mehr Treffen

Früher traf man sich oft in Kneipen oder Kinos.
Heute kostet das oft zu viel Geld.
Viele Orte sind schwer ohne Auto zu erreichen.
Handys ersetzen keine echten Treffen.
Viele Familien leben weit auseinander.

Wer keine Kinder oder Enkel hat, ist oft allein.
Soziale Kontakte brauchen mehr Mühe.

Viele Menschen leben allein

In Deutschland lebt ein Fünftel der Menschen allein.
In Sachsen sind es fast eine Million Menschen.
Die Zahl der Singlehaushalte wächst.
Einsamkeit betrifft alte und junge Menschen.

11,3 Prozent der Menschen fühlen sich oft einsam.
Auch pflegende Angehörige und Alleinerziehende sind oft einsam.

Einsamkeit schadet der Gesundheit

Einsamkeit führt zu Stress und Rückzug.
Das kann Depressionen und Angst machen.
Im Alter steigt das Risiko für Demenz.
Einsamkeit erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Menschen mit wenig sozialen Kontakten sterben früher.
Das Risiko ist so hoch wie bei 15 Zigaretten am Tag.
Einsamkeit ist gefährlicher als Übergewicht oder wenig Bewegung.

In Sachsen gibt es viele Suizide.
2022 war die Suizidrate am höchsten in Deutschland.
Einsamkeit ist eine Ursache dafür.

Andere Länder machen mehr

Großbritannien hat 2018 ein Ministerium gegen Einsamkeit gegründet.
Die Niederlande haben auch ein Programm gegen Einsamkeit.
Nordrhein-Westfalen hat 2022 viele Vorschläge gemacht.

Die Bundesregierung hat 2023 eine Strategie gegen Einsamkeit gemacht.
Sachsen hat 2021 die zweithöchste Einsamkeit in Deutschland.
12,5 Prozent der Menschen in Sachsen fühlen sich oft einsam.

Gesellschaften mit gutem Zusammenhalt sind freundlicher.
Sie sind friedlicher, produktiver und gesünder.

Einsamkeit in Sachsen

In Sachsen gibt es wenig Wissen über Einsamkeit.
Es fehlen Daten und eine Strategie gegen Einsamkeit.
Die Linkspartei will den Zusammenhalt stärken.
Sie hat Vorschläge ins Parlament gebracht.
Das Parlament will darüber in diesem Jahr sprechen.

Sachsen braucht eine Strategie für mehr Gemeinschaft.
Wir müssen in Krisenzeiten zusammenstehen.
Das gilt für Dörfer und Städte.

Vorschläge für mehr Gemeinschaft

Menschen brauchen Orte zum Treffen.
Das sind Jugendklubs, Parks, Bibliotheken und Spielplätze.
Diese Orte helfen gegen Einsamkeit.
Die Kommunen sollen solche Orte erhalten und fördern.
Ehrenamtliche Arbeit soll mehr Geld bekommen.

Einsame Menschen können im Ehrenamt helfen.
Sie knüpfen so neue Kontakte.
Das hilft allen Beteiligten.
Der Staat soll das Ehrenamt mehr fördern.
Er soll Helfer ausbilden und unterstützen.

Der Staat kann Plauderbänke aufstellen.
Diese Bänke laden zum Gespräch mit Fremden ein.
So entstehen neue Freundschaften.

Die Regierung soll eine Strategie gegen Einsamkeit machen.
Sie soll Experten und Betroffene fragen.
Die Strategie soll für alle Gruppen gelten.

Sozialberatung muss erhalten und ausgebaut werden.
Hilfs- und Sorgentelefone brauchen mehr Geld.
Es soll mehr Angebote für Menschen in Not geben.

Fachkräfte in Sozialarbeit und Pflege sollen besser ausgebildet werden.
Sie sollen zusammenarbeiten.
Das hilft im Umgang mit Einsamkeit.

Ein Institut soll eine Studie über Einsamkeit machen.
Das Thema soll regelmäßig geprüft werden.
So kann man die Strategie verbessern.

Förderrichtlinien prüfen

Wir prüfen alle Förderrichtlinien.
Wir prüfen, ob sie gegen Einsamkeit helfen.
Wir prüfen Richtlinien für Orte des Gemeinwesens.
Wir prüfen Richtlinien für Gesundheit und Versorgung.
Wir prüfen Richtlinien für Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Selbstbestimmte Teilhabe.

Angebote für Alleinstehende

Wir bauen Angebote für alleinstehende Menschen aus.
Diese Angebote sind kulturell, sportlich und touristisch.

Gute Einkommen und Lebensbedingungen

Gute Einkommen und Lebensbedingungen helfen gegen Einsamkeit.
Dann ziehen junge Menschen nicht mehr weg.
Dann haben Menschen keine Angst vor Armut bei Kindern.

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