„Weiterentwicklung der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen“
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Präsident,
werte Damen und Herren Abgeordnete,
Wenn Sie heute in Chemnitz bei einem Kinder- und Jugendpsychologen anrufen, um einen Termin zu vereinbaren, haben Sie vielleicht Glück. Dann kommen Sie auf eine Warteliste und haben vielleicht schon in sechs Monaten einen Termin. So sieht die Versorgungssituation mit Kinder- und Jugendpsychologen aktuell wohl in ganz Sachsen aus. Deshalb ist es unerlässlich, die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen weiterzuentwickeln.
Deshalb werden wir heute Ihrem Antrag zustimmen. Denn was in einer Drucksache steht, ist für uns wichtiger als die Frage, wer sie eingereicht hat.
Obwohl es sich nur um einen Berichtsantrag handelt, erkennen wir an, dass Sie das Thema auf dem Schirm haben und es ins Plenum bringen. Ich denke aber, dass sich dieser Antrag gut für eine öffentliche Anhörung geeignet hätte.
Mit dem zweiten Sächsischen Landespsychiatrieplan liegt ein umfassender Bericht vor, auf dem Sie in der Tat aufbauen können. Dabei gilt es aber zu beachten, dass dieses Papier von 2011 stammt und sich seither neue Versorgungslücken aufgetan haben.
Wie Sie in der Begründung richtig schreiben, liegt das auch daran, dass es inzwischen mehr Kinder mit psychischen und Verhaltensproblemen gibt.
Laut dem Kinder- und Jugendreport 2018 der DAK lag 2016 die Prävalenz psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen bei 259 Fällen je 1.000 Kinder und somit bei über 25 Prozent.
Bei Entwicklungsstörungen sind 206 von 1.000 JUNGEN und 132 von 1.000 Mädchen im Alter von 0 – 14 Jahren betroffen.
ADHS ist die häufigste und relevanteste kinderpsychiatrische Störung, welche diagnostiziert wurde.
Laut der sogenannten KiGGS-Studie lag die Prävalenz bei unter 3 bis 17-Jährigen bei fünf Prozent, wobei Jungen dreimal häufiger ADHS aufweisen als Mädchen.
Ebenfalls häufig traten 2016 neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen auf. Hier gab es 53 Fälle je 1.000 Kinder.
Kinder mit solchen psychischen Erkrankungen zeigen häufig Verhaltensauffälligkeiten, die es ihnen schwer machen, sich zurechtzufinden, sich in Klassenverbänden zu integrieren. Sie stehlen, halten sich nicht an Regeln, lügen, finden kaum oder die falschen Freunde. Sie haben es schwerer als ihre Mitschüler, auch bei der Erbringung schulischer Leistungen. Und wer in der Schule auf der Strecke bleibt, dem droht dauerhaft ein Leben mit existenziellen Problemen und dank Hartz IV mit niedrigem Sozialstatus.
Doch auch die Digitalisierung birgt Gefahren.
So nutzen 34 Prozent von 1.000 befragten Kindern und Jugendlichen Soziale Medien, um nicht an unangenehme Dinge denken zu müssen.
14 Prozent nutzen diese heimlich und sogar 13 Prozent sind unfähig, die Nutzung zu stoppen. Sie sind also abhängig.
Angesichts dieser Entwicklungen ist es unerlässlich, dass wir die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen verbessern, damit Diagnosen schnell gestellt und Behandlungen auf den Weg gebracht werden können.
Die Kinder und Jugendlichen müssen eine Chance auf einen vernünftigen Schulabschluss und somit auf ein Leben mit guter Perspektive haben.
Es darf keine Zeit mehr vergeudet werden.
Wir danken daher der Koalition für diesen Antrag und hoffen, dass er schnellstmöglich umgesetzt wird. Erste Ergebnisse und Maßnahmen sollten schon vor dem 30. Juni 2019 vorliegen.
Ich erwarte auch, dass die Staatsregierung die absurden Pläne von Jens Spahn, der psychisch Erkrankten weitere Hürden in den Weg zur Therapie stellen möchte, nicht unterstützt. Solche Äußerungen und Vorschläge gehen an der Lebenswirklichkeit völlig vorbei und lösen keine Probleme.
Ich sagte es bereits: Wir werden Ihrem Antrag heute zustimmen, weil er ein Schritt in die richtige Richtung ist und hoffen, dass er schnell und gründlich umgesetzt wird.
Sicher glauben Sie mir, dass ich Sie im Juni danach fragen werde.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
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