Susanne Schaper: Sachsen muss die Krankschreibungs-Pläne der Bundesregierung ablehnen!

Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD hat beschlossen, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Zudem will die Koalition eine Pflicht einführen, wonach die Beschäftigten bereits ab dem ersten Krankheitstag eine Arztpraxis aufsuchen müssen, um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu erhalten. Die Linksfraktion fordert die Staatsregierung mit einem neuen Antrag auf (Drucksache 8/7764), diesen Plänen auf der Bundesebene nicht zuzustimmen. Dazu sagt die Vorsitzende und gesundheitspolitische Sprecherin Susanne Schaper:  

„Wer sich krank fühlt, muss sich bald um einen Arzttermin kümmern und den mitunter langen Weg zur Praxis auf sich nehmen, statt auszuruhen. Das kann Erkrankungen verschlimmern oder die Genesung verzögern. Das gilt vor allem bei Fieber, Migräne oder Magen-Darm-Infekten. So stellen der Bundeskanzler und seine Regierung Millionen Beschäftigte unter Generalverdacht. Sie laden den überlasteten hausärztlichen Praxen unnötige Arbeit und Bürokratie auf. Das gefährdet die Versorgung: Termine werden noch knapper, wenn die Praxen wieder Fälle bearbeiten müssen, in denen ein paar Tage Bettruhe ausreichen. Obwohl dann keine Behandlung notwendig wäre, verursachen zusätzliche Arztkontakte unnötigen Aufwand und Kosten. Ich mag noch gar nicht an die nächste Erkältungssaison denken. Auch der Druck auf Notfallaufnahmen und Bereitschaftsdienste dürfte weiter zunehmen. Außerdem steigt die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer, wenn die Regierung vermeidbare Kontakte erzwingt. Manche Beschäftigte werden auch krank zur Arbeit erscheinen, wo sie weitere Menschen anstecken und so den Krankenstand erhöhen können.

Die ärztlichen Verbände laufen zu Recht Sturm gegen die Pläne. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisiert: , Es grenzt zudem an Irrsinn, aber¬tausende Menschen zusätzlich in die Praxen zu jagen für das reine Ausfüllen von Zetteln. Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett - und nicht in die übervolle Praxis.‘ Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen zerstört die Illusion, so den Krankenstand zu senken: ,Zudem verlängern sich unter Umständen die Ausfallzeiten, wenn Ärzte eine Arbeitsunfähigkeit bereits am ersten Tag attestieren müssen, statt den kurzfristigen Krankheitsverlauf abzuwarten.‘ Und der Hausärztinnen- und Hausärzteverband erklärt: ,Ohne jegliche Evidenz nimmt die Koalition die komplette Überlastung unserer Praxen billigend in Kauf. […] Während sich die Infektfälle, die nur ein, zwei Tage im Bett gebraucht hätten, in unseren Wartezimmern stapeln, werden die dringlichen Fälle warten müssen, weil wir nicht hinterherkommen!‘

Fazit auch für uns Linke: Der Freistaat muss die Pläne ablehnen, die zwar gut gemeint sein mögen, aber nur Schaden anrichten. Sie erinnern an eine Fabel von Jean de La Fontaine: Darin schließen sich ein Bär und ein alter Gartenliebhaber zusammen, um ihre Einsamkeit zu überwinden. Als sich eine Fliege aufs Gesicht des schlafenden Gärtners setzt, will der Bär die Fliege verjagen und seinem Freund helfen. Er wirft einen Stein nach der Fliege und tötet so auch den Gärtner - daher die Redewendung ,Bärendienst‘“.

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