Susanne Schaper: Kümmern ist noch kein Konzept – Kretschmer schont das VW-Management, die Beschäftigten sollen zahlen

Zur Aktuellen Debatte auf Antrag der Linksfraktion „Lohnkürzung ist keine Lösung – die sächsischen VW-Werke mit den Beschäftigten retten, nicht gegen sie, Herr Kretschmer!“ sagt die Fraktionsvorsitzende Susanne Schaper:

„In Zwickau wurden schon Autos gebaut, da gab es Wolfsburg noch gar nicht. Und als der VW-Konzern ein Werk brauchte, das als erstes auf Elektroantrieb umsteigt, hat er in Mosel angeklopft. Die Kolleginnen und Kollegen haben viel mehr geleistet als das Übliche. Der Dank? Ab 2031 ,keine wettbewerbsfähige Folgebelegung‘. Es ist gut, dass der Ministerpräsident sich kümmert. Aber Kümmern ist noch kein Konzept.

Sein Papier zur ,Auto Union‘ ist ein Plan, bei dem die Beschäftigten zahlen und alle anderen hoffen sollen. Hat die Kollegin in Zwickau die Porsche-Abschreibung verursacht? Ist der Kollege im Motorenwerk Chemnitz schuld an den Milliardenverlusten der Softwaretochter Cariad? Nein, das waren Entscheidungen im Vorstand. Zum Management steht im Papier des Ministerpräsidenten aber kein kritisches Wort. Bisher schweigt er dazu, dass die vollen Manager-Boni weiter fließen. Die Schwelle für die nötige Umsatzrendite wurde wundersamerweise gerade rechtzeitig und weit genug auf 3,8 Prozent abgesenkt. ,Gier‘ ist eines der freundlicheren Wörter, die mir dafür einfallen.

Die historische Auto Union wurde 1932 in Chemnitz gegründet – vier Ringe für vier Marken, die gemeinsam stärker sein sollten. Kretschmers Papier erfindet einen fünften Ring dazu: den Gürtel, den die Belegschaft enger schnallen soll, während Manager-Boni und Dividenden weiter fließen. Wettbewerbsfähigkeit heiße: Produktionskosten wie in Bratislava. Die Arbeitskosten machen aber nur rund zehn Prozent aus. Halbiert man die Löhne, dann wird jedes Auto um fünf Prozent billiger. Das ist, als wollte man ein Auto schneller machen, indem man den Fahrer auf Diät setzt.

Volkswagen hat für die ersten neun Monate 2026 ein operatives Ergebnis von praktisch null ausgewiesen. Aber darin stecken 7,8 Milliarden Euro Sondereffekte, allein 6,4 Milliarden davon Abschreibungen auf Porsche. Ohne sie stehen 7,9 Milliarden Euro operativer Gewinn. Der Konzern sitzt im Autogeschäft auf rund 33 Milliarden Euro Nettoliquidität, also verfügbarem Geld. Seit 2022 flossen rund 22 Milliarden Euro Dividende. Ist das ,Maßhalten‘, wie es den Beschäftigten abverlangt wird?

In Europa gibt es zu viele Autofabriken für zu wenige Käufer. Dabei wusste schon Henry Ford, und der war kein Linker: Wer Autos verkaufen will, muss Leute so bezahlen, dass sie sich welche leisten können. Deshalb fordern wir seit Jahren bezahlbare E-Autos, genug Ladesäulen sowie Ladestrom, dessen Preis nicht abschreckt. Zwickau braucht eine verbindliche Folgebelegung, bevor der Konzern im Juni sein Konzept für die europäische Produktion vorlegt. Und wir fordern ein Jobsicherungsgesetz für regional bedeutsame Industriebetriebe: keine Schließung, bevor Alternativen geprüft sind. Das gilt für große Werke genauso wie für Zulieferer.“

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