Susanne Schaper, Juliane Nagel: Psychosoziale Versorgung kürzen ist wie die Feuerwehr abschaffen, um Wasserkosten zu sparen

Auf Antrag der Linksfraktion hat der Landtag heute über die psychosoziale Versorgung debattiert. Die Vorsitzende und gesundheitspolitische Sprecherin Susanne Schaper sagt:

„,Weniger ist mehr‘ klingt gut. Die Bundesregierung kehrt das aber um: Weniger Geld für psychische Gesundheit heißt mehr Wartezeit und mehr Leid. Wer Psychotherapie braucht, wartet schon jetzt im Schnitt 142 Tage. So werden viele Erkrankungen schlimmer und in vielen Fällen sogar chronisch. Trotzdem hat die Merz-Regierung zum 1. April die Honorare für ambulante Psychotherapie um 4,5 Prozent gekürzt und plant weitere Einschnitte. Die Praxen drohen bis zu einem Viertel ihrer Einnahmen zu verlieren, so werden sie auch kaum genug Nachwuchs gewinnen. Das Ganze geschieht, um 371 Millionen Euro einzusparen. Das sind 0,11 Prozent dessen, was die gesetzlichen Krankenkassen ausgeben.

Wohin das führt, ist in Sachsen brutal sichtbar: 2025 sind hier 641 Menschen durch Suizid gestorben, die hiesige Suizidrate ist eine der höchsten. Auch wenn bei psychischen Erkrankungen nichts komisch absteht oder blutet, sind sie gefährlich – oft nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für andere. Sie verursachen jährlich Kosten von rund 147 Milliarden Euro, auch weil Menschen arbeitsunfähig werden. Bei der psychosozialen Versorgung zu kürzen, ist also wie die Feuerwehr abzuschaffen, um Wasserkosten zu sparen. Im kommenden Doppelhaushalt müssen Psychiatrie, Suchthilfe und psychische Versorgung deshalb abgesichert werden. Nötig ist nicht weniger, sondern mehr: Therapieplätze, Planungssicherheit für Praxen, niedrigschwellige Angebote. Leid, das in der Psychotherapie nicht gelindert wird, landet an anderer Stelle: In Kliniken, in der Jugendhilfe, in Arztpraxen und in den öffentlichen Haushalten.“

Juliane Nagel, Sprecherin für Kinder- und Jugendpolitik, fügt hinzu:

„Unsere Kinder und Jugendlichen sind ein Frühwarnsystem für die Gesellschaft. Viele Studien zeigen, dass psychische Belastungen wie Stress, Angstsymptome, Erschöpfung und Einsamkeit zunehmen. Das sind die Folgen erodierender Zukunftsperspektiven – mit Krieg, ökonomischer Unsicherheit, Klimawandel, Mietenanstieg, Leistungsdruck in der Schule und einem immer schärferen Ton gerade in sozialen Medien. Hier geht es nicht um Wehwehchen, sondern um Symptome, die ernst genommen werden müssen.

Bevor es zur stationären Aufnahme kommt, gibt es riesigen Spielraum für andere Hilfen. Sie zu schwächen, obwohl es eine Unterversorgung und lange Wartezeiten gibt, ist katastrophal. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die gesellschaftlichen Bedingungen zu verbessern und die Strukturen zu stärken, die Kinder und Jugendliche unterstützen: Mit genug Anlaufstellen für Kinder- und Jugendpsychologie sowie -Psychiatrie, starker Schulsozialarbeit und vielfältiger Jugendhilfe. Suizide sind die häufigste Todesursache bei Menschen unter 25. Das ist erschreckend, aber wir können es ändern!“

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