Stefan Hartmann: Umweltminister von Breitenbuch riskiert Fortschritte bei der ökologischen Waldwirtschaft – unverantwortlich!
Unter dem neuen Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) droht die sächsische Waldwirtschaft ökologische und soziale Fortschritte zu verlieren. Ein Drittel des Staatswaldes war seit 2020 per Modellprojekt nach dem Forest Stewardship Council (FSC)-Standard zertifiziert. Diese Waldflächen werden auf nachhaltige Weise bewirtschaftet – entlang ökologischer Vorgaben wie einem erhöhten Biotopbaum-/Totholzanteil, nutzungsfreien Naturwaldentwicklungsflächen, Bodenschonung durch weniger Befahrung oder den Verzicht auf Biozide. Der FSC-Standard bringt ferner soziale Standards zu Beschäftigtenrechten, Gesundheitsschutz oder Aus- und Fortbildung mit sich.
Diese Zertifizierung wird nun auslaufen: Der Staatsbetrieb Sachsenforst steigt aus dem Verfahren aus. Nur das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft soll bis 2028 nach FSC-Standard zertifiziert bleiben, es umfasst 1,5 Prozent der staatlichen Waldfläche. Stefan Hartmann, Sprecher der Linksfraktion für Umwelt und Klima, kritisiert:
„Wald ist nicht nur dazu da, Holz zu liefern. Er ist Lebensraum für zahlreiche Arten, speichert Wasser, trägt zum Klimaschutz bei und dient nicht zuletzt der Erholung. Artensterben, Schädlingsbefall, Dürre- und Waldbrandgefahr zwingen zum ökologischen Waldumbau. Doch der Umweltminister, der selbst Waldbesitzer ist, stört sich offenbar an ökologischen und sozialen Standards und will die Waldwirtschaft auf den weniger anspruchsvollen, Besitzer- und marktorientierten „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ (PEFC)-Standard zurückbringen. Das ist unverantwortlich und gefährdet langfristig den Waldbestand. Das Gegenteil wäre richtig: Wir müssen den Waldumbau beschleunigen!
Für uns als Linke sind neben den ökologischen Regeln auch die sozialen Standards wichtig. Waldarbeit ist körperlich und fachlich sehr herausfordernd. Es sollte selbstverständlich sein, dass mindestens im Staatswald nur gut ausgebildetes und angemessen ausgestattetes Fachpersonal eingesetzt wird.
Wir hatten seinerzeit die FSC-Zertifizierung begrüßt, aber kritisiert, dass bis zur Evaluation nur ein Zeitraum von vier Jahren vorgesehen worden war. Gerade die positiven Umweltauswirkungen auf Artenvielfalt oder Ökosystemleistungen brauchen mehr Zeit. Der Evaluationsbericht, auf dessen Grundlage über die Beibehaltung oder Ausweitung der FSC-Zertifizierung entschieden werden sollte, liegt dem Landtag bis heute nicht vor. Der Umweltminister hat also am Parlament vorbei gehandelt. Die FSC-Zertifizierungsstelle spricht indes von positiven Effekten, aber auch von Mängeln im sozialen Bereich und von einem fahrlässigen Umgang damit seitens des Umweltministers. Zu alledem werden wir im Landtag kritisch nachfragen.“
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