Mittleres Monatseinkommen in Sachsen knapp 800 Euro unter Westniveau - Susanne Schaper: Vergabegesetz ändern, Tarifbindung erhöhen!

Sören Pellmann, Ko-Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, hat beim Statistischen Bundesamt Daten zum Thema Löhne erfragt (Download). Die sächsischen Zahlen kommentiert Susanne Schaper, Vorsitzende der Linksfraktion im Sächsischen Landtag:

„Seit 35 Jahren ist Deutschland wiedervereinigt - auf staatlicher Ebene. In vielen Bereichen gibt es aber noch keine Einheit, sondern Ungerechtigkeit. So erhalten die ostdeutschen Vollzeitbeschäftigten brutto immer noch 17 Prozent weniger Geld als ihre Kolleginnen und Kollegen in den alten Bundesländern. Das mittlere Einkommen in Sachsen liegt monatlich 683 Euro brutto unter dem Bundesniveau und sogar 797 Euro unter dem Westniveau. Das ist ungerecht! Es ist höchste Zeit für den Ausgleich, zumal viele Preise immer weiter erhöht werden. Hunderttausende Menschen gehen fleißig arbeiten und schaffen es trotzdem kaum, die alltäglichen Ausgaben zu bezahlen. Von der Regierung in Bund und Land kommen anstelle der nötigen Wertschätzung eher Vorwürfe, die Leute würden zu wenig arbeiten.

Ein wichtiger Einflussfaktor ist die Tarifbindung. Das mittlere Einkommen der tarifgebundenen Vollzeitbeschäftigten erreicht in Sachsen immerhin das Bundesniveau. Das Westniveau ist freilich noch etwas höher. Wer aber nicht durch einen Tarifvertrag geschützt ist, geht mit einem viel geringeren Einkommen nach Hause. Deshalb wollen wir die Tarifbindung erhöhen. Tarifverträge sollten leichter allgemeinverbindlich werden. Der gesetzliche Mindestlohn muss vor Armut schützen, auch im Alter. Öffentliche Aufträge dürfen nur noch an tarifgebundene Unternehmen gehen. Dazu muss das Vergabegesetz geändert werden.“

Hintergrund

Das Medianeinkommen teilt die Beschäftigten in zwei gleich große Gruppen: Die eine Hälfte wird schlechter, die andere Hälfte besser bezahlt. Dieses mittlere Einkommen (mit Sonderzahlungen) liegt bundesweit bei 4.505 Euro brutto im Monat. In Westdeutschland beträgt es 4.619 Euro, in Ostdeutschland nur 3.834 Euro. Beschäftigte mit Tarifvertrag erhalten im bundesweiten Vergleich ein Medianeinkommen von 4.984 Euro, ohne Tarifbindung sind es nur 3.931 Euro. In Sachsen liegen nur die tariflich abgesicherten Beschäftigten auf dem Bundesniveau: Ihr mittleres Einkommen beträgt monatlich 4.517 Euro. Wer im Freistaat nicht nach Tarif bezahlt wird, erhält im Mittel nur 3.312 Euro. In ganz Sachsen liegt das Medianeinkommen bei 3.822 Euro.

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