Luise Neuhaus-Wartenberg zum „Handygipfel“: Ein Pauschalverbot hilft niemandem – junge Leute altersgerecht für die digitale Welt fit machen!
Heute lädt Kultusminister Conrad Clemens zu einem „Gipfeltreffen“ ein, um über Nutzungsverbote für Smartphones in Schulen zu beraten. Dazu sagt die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Luise Neuhaus-Wartenberg:
„Ein generelles Handyverbot lehnen wir ab: Die Schulen sollen selbst entscheiden, welche Regeln für die Smartphone-Nutzung sie aufstellen. Die Lehrkräfte sollten die Grenzen des privaten Handygebrauchs beispielsweise in der Schulkonferenz mit den Schülerinnen und Schülern aushandeln. Ein pauschales Verbot hilft weder den Lehrkräften, die es ja durchsetzen müssen, noch den Eltern, die ihren Kindern dann allein die nötige Medienkompetenz vermitteln müssen. Ein Verbot hilft auch nicht den Schülerinnen und Schülern, die den Umgang mit digitalen Technologien lernen müssen – schon damit sie Gefahren erkennen und vermeiden können.
Wer heute jung ist, wächst unweigerlich in der digitalen Welt auf, mit all ihren Chancen und Risiken. Wir müssen die jungen Menschen altersgerecht dafür fit machen. Unsere Kinder müssen eine gesunde Skepsis und ein gutes Urteilsvermögen gegenüber allen Inhalten entwickeln, mit denen sie konfrontiert werden. Sie müssen etwa wissen, welche Rolle Algorithmen spielen. Sie sollten sensibel dafür werden, wie sie mit ihren Daten umgehen, und die Folgen eines übertriebenen Medienkonsums kennen. Deshalb fordern wir ein Schulfach ,Medienkunde‘. Wir sollten etwa von Finnland lernen: Dort lernen junge Menschen zum Beispiel frühzeitig, Desinformation zu erkennen. Selbstverständlich müssen die Lehrkräfte für all das stetig weitergebildet werden.
Wir schließen uns dem offenen Brief ,Medienkompetenz statt pauschaler Smartphone-Verbote‘ des Deutschen Kinderhilfswerks, des Bundeselternrates, des D64 Zentrum für digitalen Fortschritt sowie der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur an. Darin heißt es: ,Immer wieder wird ein pauschales Smartphone-Verbot ins Spiel gebracht – meist in der Hoffnung, Lernprozesse zu verbessern, Ablenkungen zu reduzieren oder sozialen Druck zu mindern. Diese Sorgen nehmen wir ernst. Doch die digital geprägte Welt stellt uns alle vor Herausforderungen, die nicht nur technischer, sondern vor allem pädagogischer und gesellschaftlicher Natur sind. Genau deshalb sollte die Debatte nicht über Verbote geführt werden, sondern über Bildung, Teilhabe und Verantwortung.‘“
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