Luise Neuhaus-Wartenberg: Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass irgendwer euphorisch ins neue Schuljahr startet
Die Pressekonferenz des Kultusministers zum Schuljahresstart 2026/2027 kommentiert die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Luise Neuhaus-Wartenberg:
„Der Kultusminister begrüßt die Schülerinnen und Schüler im neuen Schuljahr mit der Ausweitung des Handy-Verbotes und die angehenden Lehrkräfte mit Mehrarbeit. Trotz vieler Neueinstellungen fällt viel Unterricht aus und es fehlt Unterstützungspersonal in multiprofessionellen Teams. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass irgendwer euphorisch ins Schuljahr startet. Trotzdem wünschen wir sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch den Lehrkräften und Eltern bestmögliches Gelingen!
Mit Freude vernehme ich, dass alle Lehrpläne überarbeitet werden sollen. Das hat die Staatsregierung lange verschleppt. Wir müssen Lehren und Lernen in Methode und Inhalt modernisieren – für weniger Frontalunterricht und mehr Selbstständigkeit. Es geht nicht mehr vor allem darum, möglichst viel Wissen zu speichern. Wir müssen die Schulbildung auf die Höhe der Zeit und des pädagogischen Erkenntnisstands bringen. Dazu gehört es auch, mehr Gemeinschaftsschulen zu ermöglichen. Junge Leute und auch alle anderen müssen lernen, Fragen zu stellen, Wissen einzuordnen, Probleme zu lösen und ein gutes Miteinander zu pflegen. Fraglich ist allerdings, ob und wie Menschen aus der Praxis in die Lehrplan-Aktualisierung einbezogen werden.
Eher Rückschritt als Fortschritt sehen wir bei der Medienbildung. Das ausgeweitete Handyverbot simuliert eine Lösung, die den Medienkompetenz-Mangel nicht behebt. Das Problem ist doch, dass junge Menschen in und mit der digitalen Welt allein gelassen werden. 15 Stunden digitales Selbstlernen in der 7. und 8. Klasse werden ihnen kaum helfen. Wir fordern seit Jahren ein Fach Medienkunde und die Integration von Medienbildung in den Ganztag.
Junge Menschen werden in sozialen Medien mit Inhalten konfrontiert, die tiefe Spuren in ihrer Psyche, ihrem Verhalten und im Umgang mit anderen Menschen hinterlassen können. Fachleute und medienpädagogisch geschulte Lehrkräfte müssen für die Gefahren sensibilisieren. Die Betreiber der Plattformen müssen gezwungen werden, menschenverachtende Bilder und Videos nicht mehr allen frei zugänglich zu machen. Junge Menschen sind trotz des Handyverbots Mobbing, Erniedrigung und Bedrohung ausgesetzt. Die Schulen brauchen dafür geschultes Personal und überall das entsprechende Problembewusstsein. Digitale Tafeln ohne Internetzugang und Klassensätze mit Tablets, deren Wartung die Lehrkräfte nebenbei übernehmen müssen, reichen auch hierfür nicht aus.“
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