Luise Neuhaus-Wartenberg: Die Kita im Dorf lassen - sinkende Kinderzahlen erlauben Entlastung und mehr Qualität

Heute haben der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen und die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Forderungen für die Kindertagesstätten vorgestellt. Dazu sagt die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Luise Neuhaus-Wartenberg:

„In Sachsen werden seit Jahren zu wenige Kinder geboren - das liegt vor allem daran, dass Nachwuchs für viele Familien zum Armutsrisiko geworden ist. Der beste Weg, dieses Problem zu lösen, ist mehr soziale Gerechtigkeit! Sinkende Kinderzahlen sind indes eine Chance, die Betreuung zu verbessern. Deshalb darf die Staatsregierung frühere Fehler nicht wiederholen. Gerade jetzt müssen wir die Kitas sichern und das Personal halten, damit es nicht abwandert. Vielmehr müssen wir hier mutig über neue Wege nachdenken. Wenn die Fachkräfte weniger Kinder betreuen müssen, wirkt das positiv auf deren Entwicklung und hilft auch später in der Schule. Wir müssen also die Kita im Dorf lassen - und die Kindertagespflege strukturell weiterentwickeln. Besonderes Augenmerk müssen wir auf das Personal legen, das einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand aufweist. Die Krankenkassen verweisen vor allem auf psychische Ursachen. Entlastung ist angesagt!

Wie das gehen soll, haben wir mit unserem Antrag ,Kita-Finanzierung neu ordnen - Qualität sichern, Landeszuschuss rauf, Elternbeiträge runter‘ (Drucksache 8/6366) skizziert. Wir wollen bis 2035 schrittweise dafür sorgen, dass eine Fachkraft in der Kinderkrippe rechnerisch nur noch drei, im Kindergarten 7,5 und im Hort zehn Kinder zu betreuen hat. Der Freistaat muss seinen Finanzierungsanteil regelmäßig anpassen. Nur so bleiben die Kommunen handlungsfähig, und die Eltern können von den teils enormen Eigenanteilen entlastet werden. Wenn die Kommunen hingegen noch mehr Kitas schließen müssen, verlängert das die Wege für die Familien und das Personal.

Kindertageseinrichtungen sind ein zentraler Faktor dafür, das Leben abseits der Großstädte attraktiv zu machen. Sie sind zudem der erste Bildungsort für unsere Kinder. Frühkindliche Bildung fördert ab der Krippe kognitive, sprachliche und soziale Fähigkeiten, schafft wichtige Lernvoraussetzungen und legt den Grundstein für schulischen Erfolg. Gleichzeitige, spielerische Interaktion stärkt soziale Kompetenzen, Selbstbewusstsein und Orientierung im sozialen Umfeld. Insgesamt tragen gut ausgestattete, hochwertige Kitas zu einer gerechteren, produktiveren Gesellschaft bei.“

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