Luise Neuhaus-Wartenberg: Clemens setzt das peinliche Ritual um die „Bildungsstudie“ der Unternehmerlobby unkritisch fort - schade
Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Luise Neuhaus-Wartenberg, sagt zum neuerlichen „Bildungsmonitor“ der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)“:
„Ich hatte gehofft, dass der neue Kultusminister das alljährliche peinliche Ritual um den dubiosen ,Bildungsmonitor‘ der Unternehmenslobbygruppe ,Neue Soziale Marktwirtschaft‘ beenden würde. Wenigstens leise Zweifel an dieser sogenannten Studie hätte ich mir gewünscht. Seit 20 Jahren erweckt die INSM einmal im Jahr den trügerischen Eindruck, Sachsens Bildungssystem bewertet zu haben, und setzt den Freistaat auf Platz 1. Umgehend jubeln Regierung und CDU, weil angeblich alles bestens läuft, und die Medien berichten über den angeblichen Spitzenplatz. Dieser Blick aus einer ,ökonomischen Perspektive‘ ist eine ebenso durchschaubare wie kaum hilfreiche Verkürzung, die Studie nicht mehr als ein PR-Instrument. Zurück bleibt Kopfschütteln, nicht zuletzt bei vielen Eltern.
Mit ihrer ,Studie‘ beurteilt die Wirtschaft das, was ihr wichtig ist. Das Gesamtbild zeigt sie nicht. Eine Untersuchung im Auftrag von Unternehmen fragt eben nicht, was die jungen Leute brauchen, sondern nur, ob sie schon das wissen, was die Wirtschaft später von ihnen brauchen wird. Wir schauen nicht auf Lobbygruppen, sondern in die Schulen, und sehen erheblichen Handlungsbedarf. Auch fünf Jahre nach deren Einführung muss man Gemeinschaftsschulen in Sachsen mit der Lupe suchen – die Familien sollten sich aber am besten überall für längeres gemeinsames Lernen entscheiden können. Moderne Unterrichtskonzepte haben es nach wie vor schwer. Die Entlastung der Lehrkräfte durch weiteres Fachpersonal kommt kaum voran. Es gibt hohe Abbruchquoten sowohl in der Schule als auch im Lehramtsstudium. Weiterhin fallen hunderttausende Schulstunden aus. Und immer noch müssen Kinder und Jugendliche hungrig lernen, weil es keine kostenfreie Mittagsversorgung gibt. Ein Spitzenplatz sieht anders aus!
Es ist kein Zufall, dass der Landesschülerrat kürzlich eine Aktionswoche zur Bildungsrettung veranstaltet hat. In ganz Sachsen waren Schülerinnen und Schüler unterwegs, um auf die schlechte Lage in den Schulen aufmerksam zu machen. Wir fordern auch in diesem Jahr mehr Gemeinschaftsschulen, moderne Unterrichtskonzepte, die Entlastung der Lehrkräfte durch weiteres Personal sowie den Ausbau der Schulsozialarbeit. Die Lehramtsausbildung muss praxisnäher werden. Es gibt viel Arbeit, aber noch lange keinen Grund zum Jubeln.“
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