„Gleiche Chancen kommen nicht von allein – ein Jahr Landesprogramm Schulsozialarbeit“
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede,
Das Schulsozialarbeit wichtig ist, darüber sind wir uns alle einig und es wurden auch durch das Landesprogramm viele Stellen geschaffen, auch wenn es anfangs etwas holprig zuging.
Die verpflichtende Aufnahme ins Schulgesetz für unsere Oberschulen ist sehr erfreulich, dass darf aber nicht bedeuten, dass andere Schulen, aufgrund der Finanzierung dann das Nachsehen haben. Das „Recht eines jedes jungen Menschen auf eine seine Fähigkeiten und Neigungen entsprechende Erziehung und Bildung ohne Rücksicht auf Herkunft und wirtschaftliche Lage.“ muss gewährleistet sein.
Es sind in diesem Jahr aber auch schon einige Probleme aufgetaucht, die definitiv behoben werden müssen.
Viele Träger haben in der Praxis festgestellt, dass die Finanzierungen einer zusätzlichen halben Stelle als „Springer" sinnvoll wäre. Da viele Träger ihre Stellen im Schulsozialbereich aufteilen, wäre eine weitere Person als Krankheits- oder Urlaubsvertretung sinnvoll. Damit könnte die Kontinuität gesichert werden, denn auch in Urlaubs- und Krankheitszeit sollten die Kinder eine kompetente Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner haben.
Ebenso bietet sich dann die Möglichkeit für das Personal im Schulsozialbereich sich auch an Weiterbildungsmaßnahmen zu beteiligen um neuen Anforderungen immer gerecht zu werden.
Es muss hier aber auch lobenswert festgestellt werden, dass durch die neue Förderung mehr Sicherheit entstanden ist, da auch während der Ferien eine Betreuung in schulischen und privaten Konflikt- und Krisensituationen professionell erfolgt und eines der gravierendsten Probleme des Fachpersonals damit beseitigt wird.
Ein großes Problem ist, dass wir keine Statistik darüber wie viele ausgeschriebene Stellen nicht besetzt werden konnten. Hier bekommt man das Gefühl, dass die Staatsregierung nicht wirklich weiß wie die Vergabe durch die Kreise erfolgt.
Auf die Kleine Anfrage von Herrn Zschocke (Drs 6/10108) gibt die Staatsregierung die Aussage "Aussagen im Einzelnen können nicht getroffen werden. Gegenwärtig laufen noch Ausschreibungen der Landkreise und Kreisfreien Städte, um Träger zur Umsetzung der Projekte zu finden.“
In meiner kleinen Anfrage bekomme ich wiederum die Antwort „Inwiefern die Landkreise und Kreisfreien Städte eigenverantwortlich zum Einsatz kommunaler Mittel Vergabeverfahren für Angebote der Schulsozialarbeit durchführe, ist der Staatsregierung nicht bekannt.“
Im Zusammenhang mit zunehmender psychischer Belastung von Schülerinnen und Schülern und eine Zunahme von Mobbing in den verschiedensten Lebenssituationen ist Schulsozialarbeit an allen unseren Schulen wichtig von der Grundschule an und darf nicht nur auf die Oberschulen begrenzt bleiben.
In unserem Antrag mit der Drs 6/898 von Anfang 2015 forderten wir eine flächendeckende Schulsozialarbeit, um sozialräumlichen Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen beim Bildungserwerb in Sachsen zu unterstützen. Und dabei bleiben wir auch.
Das heißt aber wir brauchen mehr, viel mehr Geld für die Schulsozialarbeit und eine langfristige Finanzierung, da Beziehungsarbeit mit Jugendlichen, Lehrern und Eltern nur erfolgreich sein kann, wenn sie langfristig gesichert ist. Denn eine vertrauensvolle Beziehung baut man nicht von heute auf Morgen auf. Zusätzlich können wir nur dadurch die Fachkräfte langfristig binden und eine professionelle Betreuung gewährleisten.
Gleichfalls wiederhole ich auch unsere Forderung die Schulsozialarbeit im Kultusministerium anzusiedeln, da beides eine Einheit bildet.
In Ihrem Titel zur aktuellen Debatte betonen sie auch die Chancengleichheit für Kinder. Um hier aber eine Verbesserung zu erreichen, reicht es nicht nur aus, Schulsozialarbeit an den Schulen durchzuführen.
Studien belegen, dass die soziale Herkunft, der Wohnort bzw. die Region und die wirtschaftliche Lage für den Bildungserwerb junger Menschen eine bedeutende Rolle spielen.
Der Chancenspiegel 2014 der Bertelsmann-Stiftung kam zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Abgänger ohne Hauptschulabschluss in Sachsen im bundesweiten Vergleich nicht nur einer der größten ist, sondern innerhalb Sachsens große regionale Schwankungen aufweist. Je nach Region lag dieser zwischen 5,5 und 13,4 Prozent. Schulabbrecher stammen meist aus sozial schwachen Familien.
Die Schließung von Schulen, insbesondere im ländlichen Raum verursacht nicht nur erhebliche soziale Kosten. Es schafft vor allem auch Ungleichheit der Chancen von Kindern und Jugendlichen beim Bildungserwerb.
Lehrer allein können die auftretenden Probleme nicht mehr stemmen, neben Schulsozialarbeit gehört aber auch eine gut ausgebaute vorbeugende Jugendarbeit und eine bessere Berufsorientierung in den Schulen.
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