Wir haben die Zitter­partie beim Reform­staats­vertrag beendet – über die Konsequenzen wird zu sprechen sein

Mit knapper Mehrheit hat der Landtag den „Reformstaatsvertrag“ gebilligt – auch mit den Stimmen der Linken, obwohl wir den Vertrag insgesamt eher kritisch sehen. Doch sein Scheitern wäre eine Steilvorlage für jene gewesen, die unabhängigen Journalismus als Feind betrachten und die öffentlich-rechtlichen Medien abschaffen wollen.  Der Vertrag enthält sinnvolle Punkte, darunter die stärkere Interaktion mit Nutzerinnen und Nutzern, gemeinsame Mediatheken und flexible Budgets für langfristige Projekte. Insgesamt sehen wir das Vertragswerk eher kritisch. Doch wir reihen uns nicht in die Blockadefront derjenigen Kräfte ein, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk diskreditieren und zerschlagen wollen. Wir haben uns in unserer Verantwortung für einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk als zentraler Säule der Demokratie entschieden, dem Vertrag trotz unserer großen Bedenken doch zuzustimmen. So konnten die Demokratiefeinde nicht durchmarschieren. Die Zitterpartie, die wir damit beendet haben, hat die Minderheitskoalition verursacht. Über die Konsequenzen wird zu sprechen sein.

Inhaltliche Änderungen am Staatsvertrag, der über Jahre ausgehandelt worden ist, waren unmöglich. Nach dem Vorbild anderer Bundesländer hatten wir deshalb seit Wochen versucht, mit der CDU-Fraktion einen begleitenden Entschließungsantrag auszuhandeln. Wir stießen auf taube Ohren. Heute hat der Ministerpräsident interveniert und zugesagt, Staatsverträge künftig zu konsultieren und unsere Kritikpunkte in die bundesweite Debatte über die Weiterentwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einzubringen. So hat er den Auftrag, den wir der Staatsregierung per Landtagsbeschluss erteilen wollten, angenommen. Wir werden ihn an seinen Taten messen.

Das betrifft vor allem den Kinderkanal, der als verlässliches, altersgerechtes Angebot erhalten bleiben muss – kuratiert im linearen Programm und nicht vom Algorithmus sortiert. Das betrifft aber auch das ,Verbot der Presseähnlichkeit‘, das entfallen muss. ARD, ZDF und Deutschlandradio müssen nach dem jetzigen Vertrag in ihren Online-Angeboten mit weniger Text, weniger Hintergrund, weniger Recherche auskommen. Online-Print-Medien und privatwirtschaftliche Fernsehanbieter dürfen derweil im Netz Texte, Videos, Podcasts und interaktive Grafiken kombinieren. Das ist ein Anachronismus.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist über acht Jahrzehnte gewachsen. Er hat sich stets angepasst – an den Übergang vom Hörfunk zum Fernsehen, ans Ende des öffentlich-rechtlichen Fernsehmonopols, an die deutsche Einheit und das digitale Zeitalter. Strukturen und Aufgaben müssen stetig überprüft werden. Das erfordert Mut, demokratische Kontrolle und klare Perspektiven. Die Anstalten verdienen redaktionelle Freiheit und wirtschaftliche Sicherheit. Die finanzielle Ausstattung muss schnellstens geklärt werden. Wir müssen kritische und vielfältige Berichterstattung absichern, mit regionalem Fokus und unabhängig von Konzerninteressen oder politischer Einflussnahme.

Der Landtag hat den Reform-Staats-Vertrag beschlossen.


Die Linken haben auch dafür gestimmt.
Wir sehen den Vertrag kritisch.
Aber wir wollten den öffentlich-rechtlichen Rund-Funk schützen.
Der Vertrag hat gute Punkte.

Gute Punkte im Vertrag
Der Vertrag will mehr Kontakt mit Nutzerinnen und Nutzern.
Es gibt gemeinsame Mediatheken.
Es gibt flexible Budgets für lange Projekte.
Wir sind trotzdem kritisch.
Wir wollen den öffentlich-rechtlichen Rund-Funk nicht zerstören.

Unsere Entscheidung
Wir haben dem Vertrag zugestimmt.
So haben wir die Demokratie geschützt.
Die Minderheits-Koalition hat die Zitter-Partie verursacht.
Wir müssen über die Folgen sprechen.

Verhandlungen und Zusagen
Änderungen am Vertrag waren nicht möglich.
Wir wollten mit der CDU reden.
Das hat nicht geklappt.
Der Minister-Präsident hat zugesagt, unsere Kritik zu hören.
Er will die Kritik in die bundesweite Debatte bringen.

Wichtige Themen
Der Kinder-Kanal muss erhalten bleiben.
Er soll altersgerecht sein.
Er soll nicht vom Computer gesteuert werden.
Das Verbot der Presse-Ähnlichkeit muss weg.
Der Vertrag schränkt die Online-Angebote von ARD, ZDF und Deutschland-Radio ein.

Private Medien dürfen mehr im Internet zeigen.
Das ist ungerecht.

Der öffentlich-rechtliche Rund-Funk
Der Rund-Funk gibt es seit über 80 Jahren.
Er hat sich oft verändert.
Er passt sich an neue Zeiten an.
Die Aufgaben und Strukturen müssen geprüft werden.

Das braucht Mut und klare Ziele.
Die Sender brauchen redaktionelle Freiheit und Geld.

Die Finanzierung muss schnell geklärt werden.
Wir brauchen unabhängige und vielfältige Berichte.
Die Berichte sollen aus der Region kommen.
Sie dürfen nicht von Firmen oder Politik beeinflusst sein.

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