Kümmern ist noch kein Konzept – Kretschmer schont das VW-Management, die Beschäftigten sollen zahlen
In Zwickau wurden schon Autos gebaut, da gab es Wolfsburg noch gar nicht. Und als der VW-Konzern ein Werk brauchte, das als erstes auf Elektroantrieb umsteigt, hat er in Mosel angeklopft. Die Kolleginnen und Kollegen haben viel mehr geleistet als das Übliche. Der Dank? Ab 2031 ,keine wettbewerbsfähige Folgebelegung‘. Es ist gut, dass der Ministerpräsident sich kümmert. Aber Kümmern ist noch kein Konzept. Zu seinem Plan für eine neue „Auto Union“ haben wir heute eine Debatte im Landtag angesetzt – Titel: „Lohnkürzung ist keine Lösung – die sächsischen VW-Werke mit den Beschäftigten retten, nicht gegen sie, Herr Kretschmer!“
Das Papier des Ministerpräsidenten zur „Auto Union“ ist ein Plan, bei dem die Beschäftigten zahlen und alle anderen hoffen sollen. Hat die Kollegin in Zwickau die Porsche-Abschreibung verursacht? Ist der Kollege im Motorenwerk Chemnitz schuld an den Milliardenverlusten der Softwaretochter Cariad? Nein, das waren Entscheidungen im Vorstand. Zum Management steht im Papier des Ministerpräsidenten aber kein kritisches Wort. Bisher schweigt er dazu, dass die vollen Manager-Boni weiter fließen. Die Schwelle für die nötige Umsatzrendite wurde wundersamerweise gerade rechtzeitig und weit genug auf 3,8 Prozent abgesenkt. „Gier“ ist eines der freundlicheren Wörter, die uns dafür einfallen.
Die historische Auto Union wurde 1932 in Chemnitz gegründet – vier Ringe für vier Marken, die gemeinsam stärker sein sollten. Kretschmers Papier erfindet einen fünften Ring dazu: den Gürtel, den die Belegschaft enger schnallen soll, während Manager-Boni und Dividenden weiter fließen. Wettbewerbsfähigkeit heiße: Produktionskosten wie in Bratislava. Die Arbeitskosten machen aber nur rund zehn Prozent aus. Halbiert man die Löhne, dann wird jedes Auto um fünf Prozent billiger. Das ist, als wollte man ein Auto schneller machen, indem man den Fahrer auf Diät setzt.
Volkswagen hat für die ersten neun Monate 2026 ein operatives Ergebnis von praktisch null ausgewiesen. Aber darin stecken 7,8 Milliarden Euro Sondereffekte, allein 6,4 Milliarden davon Abschreibungen auf Porsche. Ohne sie stehen 7,9 Milliarden Euro operativer Gewinn. Der Konzern sitzt im Autogeschäft auf rund 33 Milliarden Euro Nettoliquidität, also verfügbarem Geld. Seit 2022 flossen rund 22 Milliarden Euro Dividende. Ist das „Maßhalten“, wie es den Beschäftigten abverlangt wird?
In Europa gibt es zu viele Autofabriken für zu wenige Käufer. Dabei wusste schon Henry Ford, und der war kein Linker: Wer Autos verkaufen will, muss Leute so bezahlen, dass sie sich welche leisten können. Deshalb fordern wir seit Jahren bezahlbare E-Autos, genug Ladesäulen sowie Ladestrom, dessen Preis nicht abschreckt. Zwickau braucht eine verbindliche Folgebelegung, bevor der Konzern im Juni sein Konzept für die europäische Produktion vorlegt. Und wir fordern ein Jobsicherungsgesetz für regional bedeutsame Industriebetriebe: keine Schließung, bevor Alternativen geprüft sind. Das gilt für große Werke genauso wie für Zulieferer.
Auto-Union und VW
In Zwickau baut VW schon lange Autos.
VW will dort als erstes Elektro-Autos bauen.
Die Beschäftigten arbeiten sehr viel.
Sie bekommen keine neue Arbeit ab 2031.
Der Minister-Präsident kümmert sich darum.
Plan vom Minister-Präsident
Der Plan heißt Auto-Union.
Die Beschäftigten sollen weniger Lohn bekommen.
Das Management bekommt weiter viel Geld.
Die Schuld für Verluste liegt nicht bei den Beschäftigten.
Der Minister-Präsident sagt nichts zu den Boni.
Geschichte der Auto-Union
Die Auto-Union entstand 1932 in Chemnitz.
Vier Marken arbeiteten zusammen.
Der Plan vom Minister-Präsident fügt einen fünften Ring hinzu.
Die Beschäftigten sollen sparen.
Manager und Aktionäre bekommen weiter Geld.
Kosten und Löhne
Die Arbeits-Kosten sind nur zehn Prozent der Kosten.
Wenn man die Löhne halbiert, wird das Auto fünf Prozent billiger.
Das hilft nicht viel.
Finanzen von VW
VW hat 2026 fast keinen Gewinn.
Es gibt 7,8 Milliarden Euro Sonder-Kosten.
Ohne diese Kosten hat VW 7,9 Milliarden Euro Gewinn.
VW hat 33 Milliarden Euro Geld auf der Bank.
Seit 2022 zahlte VW 22 Milliarden Euro Dividende.
Markt und Forderungen
In Europa gibt es zu viele Auto-Fabriken.
Nicht genug Menschen kaufen Autos.
Henry Ford sagte: Leute müssen genug Geld haben für Autos.
Wir fordern günstige Elektro-Autos und günstigen Strom.
Zwickau braucht eine neue Arbeit für die Beschäftigten.
Wir wollen ein Gesetz für Arbeits-Platz-Sicherung.
Keine Fabrik soll ohne Prüfung geschlossen werden.
Das gilt für große Werke und Zulieferer.
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