Kretschmers „Auto Union“-Konzept hat Schlagseite zulasten der Beschäftigten - es überzeugt noch nicht
Nachdem wir die Lage bei VW mehrfach im Landtag thematisiert haben, präsentiert der Ministerpräsident jetzt ein Konzept. Michael Kretschmer hat seinen Vorschlag für eine neue Auto Union präzisiert, mit der das VW-Werk in Zwickau gerettet werden soll. Wann soll es umgesetzt werden? Er hat schließlich recht damit, dass wir nicht abwarten dürfen und über den Tellerrand hinausdenken müssen. Alle Beteiligten gehören an den Tisch, um Ideen zu entwickeln, die gute Industriearbeitsplätze in Sachsen halten. Insofern ist es gut, dass er einen Vorschlag gemacht hat.
Schlecht ist aber dessen Schlagseite: Das Papier macht einseitig die Beschäftigten für die VW-Krise verantwortlich und erwartet von ihnen noch größeren Verzicht. Das Management, das für die Probleme hauptverantwortlich ist, bleibt außen vor. Die Konzernleitung müsste schon jetzt Partner für KI und Robotik suchen, die Modellpalette anpassen und auf einen Teil ihrer übermäßigen Vergütung verzichten!
Konkret und umsetzungsreif formuliert Kretschmer nur, welche Opfer die Beschäftigten bringen sollen - vor allem unbezahlte Samstage, unbezahlte Gestaltungszeit, Nacharbeit auf eigene Rechnung. Der Rest bleibt vage. Wenn der Ministerpräsident von einer Gesellschaft spricht, „die rauskommt aus diesen schwierigen tariflichen Regelungen“, dann läuft das auf Lohndrückerei hinaus. Das Papier räumt zwar ein, dass Arbeitszeit und Arbeitskosten „allein“ keine Spitzenposition bringen können, setzt dann aber fast ausschließlich dort an. Längere Arbeitszeiten helfen aber nicht dabei, das hoch produktive Werk auszulasten.
Die VW-Konzernführung dürfte mit Wohlwollen auf Kretschmers Vorschlag reagieren, denn sie soll sich zu nichts verpflichten. Eine Standortzusage fordert Kretschmer nicht, das Absatzrisiko wird auf die Beschäftigten verlagert. In guten Jahren sollen sie am Erfolg beteiligt werden, in schlechten Jahren auf Einkommen verzichten. Unbezahlte Samstage und die unentgeltliche Gestaltungszeit bedeuten eine weitere Lohnkürzung. Die eigenverantwortlichen Teams, die dem Ministerpräsidenten vorschweben, tragen Verantwortung für Stückzahl und Qualität, haben aber keinen Einfluss auf Produkt, Investitionen oder Zulieferer, von denen das Ergebnis maßgeblich abhängt.
Das Grundproblem sind Überkapazitäten bei schwacher Nachfrage. Lohnsenkungen an einem Standort lösen es nicht - sie verschieben nur konzernintern, welches Werk zuerst dichtgemacht wird. Einzelne Elemente des Papiers sind sinnvoll, etwa Lernfabriken, Qualifizierung als Teil der Arbeitszeit, ein Innovationsverbund mit Hochschulen und Zulieferern. Im Großen und Ganzen überzeugt uns der Plan allerdings noch nicht. Wir müssen auch über andere große Lösungen sprechen, etwa über Belegschaftseigentum, ein Genossenschaftsmodell und den Einstieg in weitere Industriezweige wie öffentliche Verkehrsmittel, Energie- und Kreislaufwirtschaft.
Michael Kretschmer hat einen Plan für das VW-Werk in Zwickau gemacht.
Er will das Werk retten.
Er sagt, wir müssen schnell handeln.
Alle sollen zusammenarbeiten.
Das ist gut.
Kritik am Plan
Der Plan gibt den Beschäftigten die Schuld an der Krise.
Sie sollen mehr verzichten.
Das Management bleibt ohne Kritik.
Die Konzernleitung soll Partner für neue Technik suchen.
Sie soll weniger Geld bekommen.
Kretschmer sagt, die Beschäftigten sollen unbezahlte Samstage machen.
Sie sollen mehr arbeiten ohne Geld.
Das ist eine Lohnkürzung.
Der Plan sagt wenig über andere Lösungen.
Der Plan will die Arbeitszeit verlängern.
Das hilft nicht, das Werk besser zu nutzen.
Die Konzernleitung muss nichts versprechen.
Die Beschäftigten tragen das Risiko.
In guten Jahren bekommen die Beschäftigten mehr Geld.
In schlechten Jahren bekommen sie weniger.
Die Teams sind verantwortlich für Stückzahl und Qualität.
Sie können aber nicht über Produkt oder Investitionen entscheiden.
Grundproblem und Lösungen
Es gibt zu viele Autos und zu wenig Nachfrage.
Lohnsenkungen lösen das Problem nicht.
Sie verschieben nur, welches Werk zuerst schließt.
Einige Ideen sind gut.
Zum Beispiel Lernfabriken und Zusammenarbeit mit Hochschulen.
Der Plan überzeugt noch nicht.
Wir brauchen andere Lösungen.
Zum Beispiel Belegschafts-Eigentum und Genossenschaften.
Wir brauchen neue Industrien wie öffentliche Verkehrsmittel und Energie.
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