Jahrestag der Selbstenttarnung: Erinnerung an die NSU-Opfer bewahren, Rechtsterror bekämpfen!

Linke und Grüne fordern heute mit einem gemeinsamen Antrag im Plenum, das Gedenken an die Opfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ zu bewahren und die extreme Rechte zu bekämpfen. So soll das Dokumentationszentrum „Offener Prozess“ gesichert werden. Alle relevanten Akten sollen für Wissenschaft und Bildung zugänglich sein. Anlass ist der 15. Jahrestag der Selbstenttarnung des Rechtsterror-Netzwerks.

Wir wollen in erster Linie an die Opfer erinnern. Die Rechtsterroristen des NSU haben zwischen 2000 und 2007 in sechs Bundesländern zehn Menschen kaltblütig ermordet: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter. Unser Beileid gilt den Hinterbliebenen, die fortwährend unter dem Verlust leiden. Darüber hinaus beging der NSU drei Sprengstoffanschläge sowie 15 bewaffnete Raubüberfälle. Wir stehen an der Seite der Menschen, die dabei getötet werden sollten und zum Teil lebensgefährlich verletzt worden sind.

Wir tun das auch, weil die Dimension der NSU-Taten in der bundesdeutschen Geschichte einmalig ist. Das Netzwerk schlug fast 13 Jahre lang unentdeckt zu. Die Morde blieben unaufgeklärt, der Zusammenhang mit den Überfällen im Dunkeln, der Tathintergrund außer Betracht. Die Ermittlungen waren von Desinteresse und auch von Vorurteilen geleitet, die mit dem Tatmotiv verwandt sind. Es ist die Geschichte eines Behörden-, manche würden sagen: eines Staatsversagens.

Diese Geschichte ist mit Sachsen eng verknüpft. Die Mitglieder des Kern-Trios waren 1998 mit der Hilfe amtsbekannter Gesinnungsgenossen zunächst in Chemnitz, dann in Zwickau untergetaucht. Ihre Spur wurde zwar aufgenommen. Aber zum Zugriff kam es nie, die Fahndung schlief ein – bis zum 4. November 2011. An diesem Tag überfielen NSU-Mitglieder eine Sparkasse in Eisenach. Sie erschossen sich danach, kurz darauf explodierte ein Haus in Zwickau. Erst die Funde hier wie dort sowie ein rassistisches Bekennervideo offenbarten viel zu spät das, was seither als „NSU-Komplex“ bekannt ist.

Auch die Nachgeschichte ist eng mit dem Freistaat verbunden. Linke und Grüne haben zum NSU-Komplex zwei Untersuchungsausschüsse miteingesetzt und umfangreiche Sondervoten vorgelegt. Wir bezweifeln, „dass die Morde mit aller Konsequenz zügig aufgeklärt“ wurden, wie die demokratischen Fraktionen damals verabredeten. Heute ist zwar die Haupttäterin in Haft, aber Dutzende mutmaßliche Unterstützerinnen und Unterstützer – etliche sächsische Neonazis – mussten sich nie verantworten.

Die Gefahr des Rechtsterrorismus besteht fort. Ihr muss sich eine offene, demokratische Gesellschaft mit allen rechtsstaatlichen Mitteln entgegenstellen. Das wurde in Sachsen auch versucht, unter anderem mit dem „Gesamtkonzept gegen Rechtsextremismus“. Es muss dringend wiederbelebt und weiterentwickelt werden.

Gedenken an NSU-Opfer

Heute ist der 15. Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU.
Linke und Grüne wollen an die Opfer erinnern.
Sie fordern Schutz für das Dokumentationszentrum „Offener Prozess“.
Alle wichtigen Akten sollen für Bildung und Forschung offen sein.

Opfer des NSU

Der NSU hat von 2000 bis 2007 zehn Menschen ermordet.
Die Opfer kommen aus sechs Bundesländern.
Die Namen der Opfer sind wichtig.
Der NSU hat auch Anschläge und Raubüberfälle gemacht.
Viele Menschen wurden verletzt oder getötet.

Bedeutung der NSU-Taten

Die NSU-Taten sind einmalig in Deutschland.
Das Netzwerk war fast 13 Jahre unentdeckt.
Die Polizei hat die Morde lange nicht aufgeklärt.
Die Ermittlungen waren oft falsch und unfair.
Das war ein Versagen der Behörden.

Verbindung zu Sachsen

Das NSU-Kern-Trio versteckte sich in Sachsen.
Sie waren in Chemnitz und Zwickau.
Die Polizei fand sie, griff aber nicht zu.
Am 4. November 2011 gab es einen Überfall in Eisenach.
Danach starben die Täter und ein Haus explodierte in Zwickau.

Diese Ereignisse zeigten den NSU-Komplex.
Linke und Grüne haben Untersuchungsausschüsse eingesetzt.
Sie glauben nicht, dass alle Morde aufgeklärt sind.
Die Haupttäterin ist im Gefängnis.
Viele Helfer, auch aus Sachsen, wurden nicht bestraft.

Gefahr von Rechtsterrorismus

Rechtsterrorismus ist noch eine Gefahr.
Die Gesellschaft muss ihn mit Gesetzen bekämpfen.
Sachsen hat ein Konzept gegen Rechtsextremismus.
Dieses Konzept muss erneuert und verbessert werden.

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