„Stärkung der sächsischen Forstwirtschaft in Zeiten von Sturm und Borkenkäfer“

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Präsident,

liebe Kolleginnen und Kollegen!

Wir brauchen eine andere Struktur in der Forstwirtschaft, als sie derzeit von der CDU erarbeitet wurde und wird: wir brauchen vom Staatsforst unterstützte Forstbetriebsgemeinschaften, die den Klein- und Kleinstprivatwald organisieren und weniger große Privatwaldbesitzungen, die sich mit dem Staatsbetrieb um die Vorherrschaft kabbeln und in einigen waldbesitzenden CDU-Abgeordneten Partner finden.

Die gegenwärtigen Rahmenbedingungen sind für alle Waldbesitzer ähnlich: Der Holzpreis hat sich halbiert, die Holzaufarbeitungskosten haben sich um 50 Prozent erhöht. Die vom Waldbesitzerverband vorgeschlagenen Maßnahmen wie Unterstützung bei Holzlagerung und Holztransport sind richtig, können aber nach wie vor den leistungsfähigen Waldbesitzern zugutekommen.

Das strukturelle Problem sitzt tiefer: in Sachsen wurde es jahrzehntelang verschlafen, Forstbetriebsgemeinschaften zu organisieren. Grund dafür sind die falschen Förderbedingungen, die nun nicht plötzlich umgekehrt werden können. Der Blick nach Brandenburg oder Thüringen zeigt, dass es auch anders geht.

Zum Antrag: wir wissen, dass sich die Koalition immer gern berichten lässt, was sie eh schon weiß. Interessanter wird es bei den Maßnahmen:

  • Aufbau von Holzlagerkapazitäten,
  • Unterstützung bei der Schadholzberäumung,
  • Reduktion des Grünholzeinschlags bei Sachsenforst,
  • Unterstützung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse,
  • Neugründung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse,
  • Waldschutzmeldewesen.

Alles schön. Aber zu spät.

Es tritt beispielweise das Problem auf, dass Waldbesitzer, die ihre Flächen beräumen müssten, keine Unternehmer finden, die diese Arbeiten ausführen. Das liegt unter anderem daran, dass Sachsenforst den Grünholzeinschlag zu spät beendet hat – und damit Forstunternehmer lange gebunden hat, die anderswo gefehlt haben.

Nun hat wohl auch schon in drei Forstbezirken der Grünholzeinschlag wieder begonnen, weil die Sägewerke das so gefordert haben – gleichzeitig bleibt draußen das Schadholz liegen. Was also soll „Reduzierung“ des Grünholzeinschlags heißen, Herr von Breitenbuch? Und sollen nach Ihrer Meinung die großen Privatwaldbesitzer nun auch kein Grünholz mehr einschlagen dürfen?

Ein anderes Problem:

Der Klein- und Kleinstprivatwald ist nicht in forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen organisiert und einzelne Waldbesitzer können kaum sinnvoll die Unternehmerleistung zur Schadholzaufarbeitung organisieren.

Das liegt daran, dass es Forstbetriebsgemeinschaften entweder nicht gibt, oder aber, dass das Leistungsangebot der bestehenden Forstbetriebsgemeinschaften primär auf die Belange größerer und regelmäßig wirtschaftender Forstbetriebe zugeschnitten ist und Kleinstprivatwaldbesitzer damit draußen bleiben.

Und noch ein Problem:

Selbst wenn das Holz aus dem Wald gebracht und aufgestapelt ist, haben die Fuhrunternehmen in der Regel keine Kapazitäten, um alles abzufahren – oder haben alle Hände voll zu tun, um das Holz im näheren Umkreis ins Sägewerk zu bringen. Das trifft insbesondere die Wälder, die nicht in der Nähe von Sägewerken liegen, sondern irgendwo „dazwischen“. Das ist beispielsweise bei mir in Mittelsachsen der Fall.

Bereits Ende August 2018 hat der Sächsische Waldbesitzerverband von einer „Jahrhundertkatastrophe im deutschen und insbesondere im sächsischen Wald“[1] gesprochen. Zwischenzeitlich gab es diverse Hinterzimmergespräche mit CDU-Vertretern. Nun liegt, vier Monate und eine unkonkrete aktuelle Debatte später, dieser, auch wieder allgemein gehaltene Antrag vor.

Wie beim Sondervermögen "Beseitigung Schadensfolgen Extremwetterereignisse – Forst" werden hinterher mit viel Geld Schäden beseitigt, aber strukturelle Veränderungen kaum angegangen. Wie lange kann das gut gehen?

Wir als LINKE wünschen Ihnen maximale Erfolge bei der Bewältigung der „Borkenkäfer-Katastrophe“, aber Ihre Maßnahmen kommen zu spät und sind nicht ausgereift. Mehr war wahrscheinlich in den Hinterzimmern nicht herauszuholen gewesen.

Unsere Fraktion wird sich bei Ihrem Antrag enthalten.


[1] https://waldbesitzerverband.de/index.php/aktuelles/pressemitteilungen/172-dramatische-schaeden-im-saechsischen-wald PM vom 27.08.2018

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