Pinka: Monotone Landschaft lässt Artenvielfalt schwinden

Dr. Jana Pinka, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, erklärt anlässlich der Aktuellen Debatte „Artensterben – wann folgt auf Wissen auch in Sachsen endlich Handeln?"

Minister Schmidt hat pauschale Vorwürfe gegen die Landwirtschaft als vermeintliche Verursacherin für einen Artenrückgang zurückgewiesen. Die Landwirtschaft hat erhebliche Akzeptanzprobleme – das ist nicht durch den moralisierenden Zeigefinger des Ministers wegzuwischen.

Die Landwirtschaft bewahrt die Artenvielfalt, das Landschaftsbild und die Biotope durch die Nutzung. Andererseits verursacht sie auch zahlreiche sichtbare und nicht sichtbare Schädigungen des Naturhaushaltes. „Während die Landbewirtschaftung bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zur Diversifizierung von Lebensräumen und damit zur Entstehung komplexer Agro-Ökosysteme beigetragen hat, führt ihre moderne „industrialisierte“ Ausprägung bis heute zur Vereinheitlichung und Monotonisierung ganzer Landschaften mit erheblichen Auswirkungen auf die Biodiversität und den Naturhaushalt.“ führt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in seinem Agrar-Report 2017 aus.

Kein Wunder, dass die Artenvielfalt auch bei Insekten auf der Strecke bleibt. Die Landwirtschaft wird über die EU-Agrarförderung maßgeblich gelenkt. Da die aktuelle Förderperiode von 2014-2020 noch andauert, sind Weichenstellungen schnell nicht zu erwarten. Dennoch gibt es Optionen, jetzt etwas zu tun. Die Ökologischen Vorrangflächen (ÖFV) sollten aufgewertet, die ÖVF auf solche Typen eingegrenzt werden, die einen eindeutigen Mehrwert für Naturschutz erbringen. Das BfN davon aus, dass bundesweit auf einem Flächenumfang von 80% der Ökologischen Vorrangflächen kaum biodiversitätsfördernden Maßnahmen durchgeführt werden.

Grünlandumbruch muss erschwert werden und Definition von „umweltsensiblem“ Dauergrünland sollte erweitert werden, um einen besseren Schutz wertvoller Dauergrünlandbestände zu erreichen. Es muss mehr Geld in die 2.Säule, und wirklich biodiversitätsfördernde Maßnahmen müssen auch deutlich besser gefördert werden. Allein von den flächenbezogenen Agrarumweltmaßnahmen aus der sogenannten 2. Säule als dem wichtigsten umweltbezogenen Förderinstrument wurden im Mittel der Jahre 2009 bis 2013 bundesweit nur auf 13% der Förderfläche Maßnahmen mit unmittelbarer Biodiversitätsrelevanz gefördert. Schließlich muss in der kommenden GAP-Förderperiode in Sachen Biodiversität ein merklicher Sprung nach vorn gemacht werden: Nicht nur aus Naturschutzgründen, sondern insbesondere, um die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des gesamten Naturhaushaltes zu bewahren. Öffentliches Geld sollte es wirklich nur für öffentliche Leistungen geben.

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