Fahrzeugverkehr in Sachsen immer unsicherer

Die neuesten Zahlen zur Verkehrssicherheitsarbeit der sächsischen Polizei (Drs 6/11621) kommentiert der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Enrico Stange:

Raser, Drängler und Hochrisiko-Autofahrer haben auf Sachsens Autobahnen und Fernstraßen leichtes Spiel. Auch im vergangenen Jahr ist Zahl der Stunden, in denen die Polizei Geschwindigkeitskontrollen durchführen konnte, gesunken. Sie hat einen besorgniserregenden Allzeit-Tiefstand erreicht.

Kontrollierte die Polizei 2007 noch insgesamt in 67.420 Stunden die Geschwindigkeit, schaffte sie dies 2017 nur noch für 21.646 Stunden. Damit sind die Kontrollstunden innerhalb von zehn Jahren um sage und schreibe zwei Drittel gesunken. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei Kontrollen mittels sogenannter ProViDa-Systeme („Proof Video Data System“ – zivile Fahrzeuge der Polizei, die mittels einer Videokamera die Geschwindigkeit und sonstige Verkehrsverstöße vorausfahrender Fahrzeuge aufnehmen können). Hier ging die geleistete Kontrollstundenzahl von 11.741 im Jahr 2007 auf 2.958 im vergangen Jahr zurück – ein Minus von fast 75 Prozent. Damit stehen in den Depots der sächsischen Polizei teure Fahrzeuge und Geschwindigkeitsmessgeräte, die mangels Personals und wegen riesiger Überstundenberge und Krankenstände nicht eingesetzt werden können.

Nicht nur die Zahl der Kontrollstunden, auch die Gesamtzahl der Kontrollen ist stark rückläufig. Kam es 2007 noch zu 1.358.418 Kontrollen, so sank die Zahl bis 2017 trotz eines leichten Aufwuchses gegenüber dem Vorjahr um fast 65 Prozent auf 482.479 Anhalte-Kontrollen.

Die CDU/SPD-Politik des kostengetriebenen Personalabbaus der zurückliegenden zehn Jahre setzt die Sicherheit aufs Spiel und hat Wildwest-Zustände zugelassen. Es gilt verkehrswissenschaftlich als gesichert, dass dem Rückgang der Geschwindigkeitskontrollen zeitverzögert mittelfristig ein Anstieg der Unfälle folgt. Ohne Kontrollen verändert sich das individuelle Fahrverhalten hin zu höheren Geschwindigkeiten, deutlich reduzierten Sicherheitsabständen, riskanten Überholmanövern und aggressiven Drängeleien auf Autobahnen und Fernstraßen. So wächst das Unfallrisiko und die Schwere der Unfälle nimmt deutlich zu. Die Folge sind mittel- und langfristig höhere gesamtgesellschaftliche Kosten und mehr traumatische Einzelerfahrungen bei Unfällen.

Hintergrund

1. Anhaltekontrollen

Drs. 6/5181 (1997–1999)

Drs. 6/4715 (2000–2015)

Drs. 6/4731; 6/5555; 6/6664; 6/7690 (2016)

Drs. 6/9083; 6/10031; 6/10890; 6/11621 (2017)

Jahr

Zahl der Anhaltekontrollen

1997

1.020.636*

1998

1.174.723

1999

1.230.905

2000

1.174.954

2001

1.033.668

2002

843.722

2003

1.335.836**

2004

1.464.712

2005

1.399.036

2006

1.397.761

2007

1.358.418

2008

1.233.953

2009

569.708

2010

588.986

2011

546.015

2012

459.553

2013

452.282

2014

558.560***

2015

472.222

2016

458.883

2017

482.479

* Summe der Anzahl der bei Geschwindigkeitskontrollen angehaltenen Fahrzeuge und der Anzahl der bei Alkoholkontrollen kontrollierten Fahrzeugführer.

** Summe der Anzahl der bei Geschwindigkeitskontrollen (ab 2009 nur mit Laser-Geschwindigkeitsmessgeräten) angehaltenen Fahrzeuge und der Anzahl der bei allgemeinen Verkehrskontrollen kontrollierten Fahrzeugführer.

*** Anzahl aller angehaltenen Fahrzeuge.

2. Geschwindigkeitskontrollen

Drs. 6/4712 (2000–2015)

Drs. 6/9114 (2016)

Drs. 6/9083; 6/10031; 6/10890; 6/11621 (2017)

Jahr

Zahl der Anhaltekontrollen

2000

34.289

2001

31.362

2002

26.037

2003

29.945

2004

32.629

2005

31.503

2006

26.616

2007

29.031

2008

26.841

2009

22.202

2010

18.188

2011

17.982

2012

13.991

2013

11.111

2014

12.704

2015

10.048

2016

9.236

2017

8.717

3. Kontrollstunden Geschwindigkeitsüberwachung

Drs. 6/5181 (1995–1999)

Drs. 6/4715 (2000–2008)

Drs. 6/2058 (2009–2014)

Drs. 6/2058; 6/3876 (2015)

Drs. 6/4731; 6/5555; 6/6664; 6/7690 (2016)

Drs. 6/9083; 6/10031; 6/10890; 6/11621 (2017)

Jahr

Kontrollstunden Geschwindigkeitsüberwachung

1995

41.762

1996

61.279

1997

63.621

1998

80.379

1999

93.260

2000

93.242

2001

85.793

2002

70.517

2003

76.467

2004

77.024

2005

72.354

2006

60.981

2007

67.420

2008

67.157

2009

53.395

2010

46.024

2011

44.606

2012

36.573

2013

25.783

2014

28.872

2015

25.015

2016

23.664

2017

21.646

4. Pro-Vida-Kontrollstunden

Drs. 6/5181 (1997-2008)

Drs. 6/2058 (2009-2014)

Drs. 6/2058; 6/3876 (2015)

Drs. 6/4731; 6/5555; 6/6664; 6/7690 (2016)

Drs. 6/9083; 6/10031; 6/10890; 6/11621 (2017)

Jahr

Pro-Vida-Kontrollstunden

1997

15.981

1998

21.172

1999

20.783

2000

20.518

2001

20.806

2002

19.166

2003

16.413

2004

14.210

2005

14.556

2006

12.414

2007

11.741

2008

11.544

2009

10.468

2010

2.339

2011

4.687

2012

5.206

2013

5.684

2014

5.691

2015

4.212

2016

3.632

2017

2.958

5. Laser-Kontrollstunden

Drs. 6/5181 (2003-2008)

Drs. 6/2058 (2009-2014)

Drs. 6/2058; 6/3876 (2015)

Drs. 6/4731; 6/5555; 6/6664; 6/7690 (2016)

Drs. 6/9083; 6/10031; 6/10890; 6/11621 (2017)

Jahr

Laser-Kontrollstunden

2003

28.157

2004

29.961

2005

29.166

2006

24.567

2007

30.560

2008

24.658

2009

20.902

2010

16.700

2011

17.466

2012

11.327

2013

9.732

2014

12.537

2015

8.769

2016

7.329

2017

7.720

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