372/2012: Ackermann-Gemeinde muss sich von Sorbenfeindlichkeit und Revanchismus abgrenzen

Kosel: Ackermann-Gemeinde muss sich klar von sorbenfeindlichen Äußerungen der „Vertriebenenfunktionäre“ abgrenzen

Heute beginnt in Bautzen-Budyšin das „Deutsch-tschechische Bundestreffen“ der Ackermann-Gemeinde. Dazu erklärt der sorbische Abgeordnete und europapolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Heiko Kosel: 

Die nach dem Zweiten Weltkrieg von christlich geprägten ‚Sudetendeutschen‘ in der Bundesrepublik gegründete Ackermann-Gemeinde hat sich mit der Wahl von Bautzen-Budyšin als Tagungsort eine Chance eröffnet, auf ihrem Weg der Abkehr von Konfrontation und Revanchismus hin zu Kooperation und Vergebung Akzente zu setzen. Das setzt allerdings nachprüfbare Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit in Denken und Handeln voraus. Dabei hat die Ackermann-Gemeinde in zwei Bereichen Klärungsbedarf, wobei ich dem Bundestreffen der Ackermann-Gemeinde in Bautzen-Budyšin guten Erfolg wünsche:  

Erstens müssen die Grundsätze, die die Ackermann-Gemeinde zu einer positiven Politik gegenüber nationalen Minderheiten erklärt hat, glaubwürdig sein. Das trifft auch auf die im Vorfeld des Treffens erklärte Wertschätzung gegenüber den Sorben zu. Zwar hat sich die Ackermann-Gemeinde in ihrer Agenda 02 zu einer positiven Politik gegenüber nationalen Minderheiten bekannt und im Vorfeld des Bundestreffens die Sorben ausdrücklich wegen ihrer Brückenfunktion zwischen Deutschen und den slawischen Nachbarn hervorgehoben. Die Glaubwürdigkeit der Ackermann-Gemeinde setzt hier jedoch voraus, dass an diesem Punkt eine klare Abgrenzung gegenüber sorbenfeindlichen Positionen verschiedener „Vertriebenenfunktionäre“ erfolgt. So hatte erst vor knapp einem Jahr der Bundesvorsitzende der Landmannschaft Schlesien, Rudi Pawelka, zum sogenannten „Tag der Heimat“ in Obernburg-Eisenbach erklärt, es könne nicht angehen, dass die kleine Gruppe der Sorben so viel Kulturförderung bekäme. Die Ackermann-Gemeinde ist dabei besonders in der Pflicht, da sich diese Entgleisung auf einer Veranstaltung ereignete, die durch die Sudetendeutsche Landsmannschaft mitausgerichtet wurde – zählt die Ackermann-Gemeinde doch zu den drei Gesinnungsgemeinschaften unter den ‚Sudetendeutschen‘, und viele Mitglieder sind gleichzeitig auch in der Sudetendeutschen Landsmannschaft organisiert.  

Zweitens muss die Ackermann-Gemeinde revanchistischen Tendenzen gegenüber Tschechien eine klare Absage erteilen. Die Ackermann-Gemeinde hat im Vergleich zu anderen Vertriebenenorganisationen zwar durchaus bemerkenswerte Schritte unternommen, um sich von Konfrontation und Revanchismus zu lösen. Allerdings wirkt es befremdlich, wenn die Ackermann-Gemeinde in ihrer letzten ‚Erklärung zur aktuellen deutsch-tschechischen Diskussion‘ im Jahre

2001 Änderungen der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Eigentumsverhältnisse in Tschechien nur deswegen ablehnt, weil diese „heute in der Praxis mit unlösbaren Problemen verbunden wären“. Auf die Umsetzung revanchistischer Ziele sollte nicht deshalb verzichtet werden, weil sie gegenwärtig „schwierig“ wäre, sondern weil es der Frieden in Europa erfordert!





Veröffentlicht am:
12:56:49 02.08.2012 von Barbara Wegner



 
 



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