„Sportliche Höchstleistungen unserer Schülerinnen und Schüler fördern – die sächsischen Sportschulen stärken“

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Präsident,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Titel ihres Antrages suggeriert etwas, was der Antrag selber dann gar nicht leistet.

Römisch I ist ein klassischer Berichtsantrag. Eine Datensammlung zu Schülerzahlentwicklungen – leider „nur“ der Sportschüler, die Schwerpunktsportarten , die Internatskosten und die Auflistung der Schulen mit Schulteilen kann für die Gesamtbetrachtung der Situation an den Sport – und sportbetonten Schulen hilfreich sein. Kann sein, muss aber nicht weil:

Bei den Schülerzahlen z.B. in Oberwiesental gibt die Staatsregierung 93 Schülerinnen und Schüler an, laut Homepage der Schule lernen in diesem Schuljahr dort aber ca. 200 und in Altenberg werden 91 Schülerinnen und Schüler angegeben, mit Stand gestern Mittag lernen ca. 450 an diesem Standort, davon 100 Sportlerinnen und Sportler. Vor dem Hintergrund, dass an diesen Eliteschulen des Sports nicht nur Sportlerinnen und Sportler sondern auch Kinder aus den Regionen lernen, ist die Forderung aus genau diesen Einrichtungen mehr als verständlich, diese Außenstellen und damit die Außenstellenleiterinnen mit den notwendigen Leitungsressourcen auszustatten.

Und damit wären wir schon bei Römisch II – sie begehren dazu einen Prüfauftrag und die Staatsregierung antwortet, dass das gerade nicht geht, weil die Situation auf dem Lehrerarbeitsmarkt das nicht zulässt. Hmmm, dieses Argument muss nun schon seit einiger Zeit für so vieles als Entschuldigung herhalten, eben auch für die Kürzung der Sportstunden ab kommendem Schuljahr, aus dem Grund hatte auch die Massenpetition des Sportlehrerverbandes gegen die geplanten Kürzungen keine Chance hier im Haus.

Die Frage der Stellung der Außenstellenleiterinnen an Schulteilen hätte man durchaus im Schulgesetz regeln können. Zumindest für die sogenannten 4a – Schulen, in diesem Fall also die Schulteile mit vertiefter, hier der sportlichen, Ausbildung wäre es ein erster Schritt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mal unter uns, in den meisten Fällen wissen wir doch, wie Schulteile und Außenstellen zustande gekommen sind – es waren angedrohte bzw. angeordnete Schulschließungen aufgrund geringer Schülerzahlen. Dass dort jetzt ein Umdenken eingesetzt hat begrüßen wir, es muss aber weiter gedacht werden. Heißt z.B. eine zweite Stellvertreterstelle an den „Mutterschulen“ oder die zukünftige Eigenständigkeit der jetzigen Außenstellen, die die Kriterien für Schulen im ländlichen Raum laut Schulgesetz erfüllen.

Zu Römisch III: In Altenberg lernen auch Sportler aus anderen Bundesländern. Mit einigen Fachverbänden gibt es hierzu Vereinbarungen, die Förderung ist allerdings sehr unterschiedlich – hier braucht es einheitliche Lösungen.

Auch sind die Internate eben nicht jedes Schuljahr komplett ausgebucht. In Altenberg, um bei meinem Beispiel zu bleiben, haben sich wegen zu hoher Kosten einige Eltern nach Alternativen umgeschaut. Das aber kann nicht im Sinne der Sportlerinnen und Sportler und auch nicht im Sinne der Eliteschule sein. Die Kostenangleichung wäre hier eine Möglichkeit, ebenso eine einheitliche Regelung auf Landesebene.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Bevor ich noch einige Gedanken zur dualen Karriere anfüge, lassen sie mich zunächst noch etwas Kritik an Ihrer Methode äußern.

Ihr Antrag trägt das Datum 14.12.2018 und sie begehren in Römisch V die Prüfung, inwieweit an Grundschulen Angebote zur frühzeitigen Förderung der sportlichen Begabung von Schülerinnen und Schülern weiterzuentwickeln sind. Nicht, dass dies bislang nicht schon möglich war – siehe Kooperation der Schulen in Oberwiesental – im August 2018 hat das Kultusministerium die Schulordnung Grundschulen novelliert und in § 9 Absatz 3 genau dies gesetzlich geregelt – also 4 Monate bevor sie Ihren Antrag gestellt haben.

Zur sportmedizinischen und sportpsychologischen Untersuchung von Kadersportlern, inklusive der Tauglichkeitsuntersuchung und der begleitenden sportärztlichen Betreuung hätte es keinen Antrag Ihrerseits gebraucht, das ist sichergestellte Praxis und das nicht erst seit Dezember 2018.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

kommen wir schlussendlich noch kurz zur dualen Karriere. Für Wintersportler ist das Problem der beruflichen Bildung nach einem Schulabschluss an einer Eliteschule besonders groß. Außer den üblichen „Behörden“ gibt es nahezu keine Möglichkeiten und die genannten Beispiele greifen für sie nicht.

Eine Forderung von uns ist es seit langem, dass es jenseits von Bundeswehr, Polizei und Bundespolizei Sportfördergruppen und eben auch viel mehr zivile Möglichkeiten der dualen Karriere für Sportlerinnen und Sportler geben muss.

In Ihrem Punkt Römisch VIII wollen sie dies nun bei der Sächsischen Staatsverwaltung prüfen lassen und das SMK sagt Ihnen diese Prüfung auch zu, wobei es hier gleich mal mit der Einführung einer Profilquote verquickt wird. Die aber gleichzeitig gemachte Einschränkung – „sofern tatsächlich Bedarf besteht“ relativiert nicht nur das Ganze sondern nimmt praktisch das Ergebnis vorweg – brauchen wir nicht, machen wir nicht!

Dabei ist gerade die duale Karriere von Spitzensportler neben dem professionellen Training, der professionellen Betreuung an den Stützpunkten, durch den Olympiastützpunkt Sachsen und auch durch das IAT eine weitere wichtige Voraussetzung für das Erbringen von Spitzenleistungen. Und es geht eben weit über gestrecktes Abitur und gedehnte Fachoberschule hinaus.

Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport beim DOSB fasst das so zusammen:

„Die Thematik der Dualen Karriere sehen wir als eine der entscheidenden Regel – Reserven für die Gestaltung der Zukunft des deutschen Leistungssports an.

Ein humanes Spitzensportsystem trägt mit seinen Partnern Verantwortung für die Chance der Entfaltung sportlicher Talente, für das Vorhalten von Rahmenbedingungen Richtung Weltspitze bei der gleichzeitigen Ermöglichung potentialgerechter Bildungskarrieren und potentialgerechter Chancen von ehemaligen und noch aktiven Leistungssportlern auf dem Arbeitsmarkt.

Ohne verbindliche Regelungen für das Gelingen der dualen Karriere unserer talentiertesten Sportlerinnen und Sportler werden wir in der Mehrzahl der Sportarten im internationalen Maßstab langfristig nicht wettbewerbsfähig sein.“

Mal ganz zu schweigen von unserer sozialen Verantwortung gegenüber denjenigen, mit denen und deren Erfolgen sich auch der Freistaat gerne schmückt!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Das Thema ist wichtig, ihr Antrag wird dem aber nicht gerecht – denn gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht.

Sie hätten bei der Erarbeitung des Antrages auch die Akteure, wie Landessportbund, Olympiastützpunkt oder betroffene Schulleiter fragen können – haben sie aber nicht!

Wir können uns daher bei Ihrem Antrag nur enthalten.

Sport frei!

Du hast Fragen
oder möchtest einfach reden?

Fraktion Die Linke
im Sächsischen Landtag

Bernhard-von-Lindenau-Platz 1
01067 Dresden

Telefon 0351 4935800
E-Mail

Zum Kontaktformular

Oder schreibe uns auf unseren Social-Kanälen:

Schließen

KONTAKT

Fraktion Die Linke
im Sächsischen Landtag

Bernhard-von-Lindenau-Platz 1
01067 Dresden

Telefon 0351 4935800
E-Mail

Hier geht es zum Kontakt