Schaper zu Spahn: Bevor man über mehr Arbeitsstunden in der Pflege redet, müssen die Arbeitsbedingungen besser werden
Zur Diskussion um die Äußerung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) – „Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen“ –, erklärt die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Susanne Schaper:
Zum einen entscheiden sich viele Pflegerinnen und Pfleger bewusst für eine Teilzeitstelle, wegen der Arbeitsbedingungen oder weil sie sich neben der Arbeit auch noch um ihre Familien kümmern müssen. Zum anderen ist diese Arbeit psychisch und physisch belastend, besonders in Vollzeit. Die meisten Pflegekräfte, ob in Vollzeit oder Teilzeit, schieben längst Überstunden und gehen weit über das hinaus, was Spahn fordert. 2016 kamen schon fast zehn Millionen Überstunden zusammen – zu einem Drittel unbezahlt.
Es ist entscheidend, dass der Bundesgesundheitsminister jetzt nicht über mehr Arbeitsstunden redet, sondern endlich etwas unternimmt, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dazu gehören die lange überfällige einheitliche Entlohnung in Ost- und Westdeutschland, außerdem eine schlankere Bürokratie und eine Aufwertung des Berufsbildes. Zusätzlich müssen die Ausbildungsbedingungen verbessert werden und eine gesetzliche Personalbemessung her – und zwar als ordentlicher Personalschlüssel wie in vielen anderen Ländern und nicht als Untergrenze. Unter anderem dies und die Einführung einer Pflegevollversicherung wären lohnende Aufgaben. Drei bis vier Stunden am Tag weniger reden und stattdessen wirklich für Pflegekräfte und Pflegebedürftige streiten – damit wäre schon viel gewonnen!
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