Rico Gebhardt: Psychisch erkrankte Menschen verdienen mehr Hilfe - Landespsychiatrieplan weiterentwickeln und finanzieren
Der Sozialausschuss hörte heute Sachverständige zu einem Antrag, mit dem die Linksfraktion auf eine größere Unterstützung psychisch erkrankter Menschen abzielt (Drucksache 8/4282). Im Rahmen eines Landesprogramms, das der Freistaat mit Kommunen, Sozial¬trägern und Wohnungsunternehmen entwickelt, sollen diese vorrangig Wohnraum und psychosoziale Begleitung erhalten. Regionale gemeindepsychiatrische Verbunde sollen überall eine psychiatrische Pflichtversorgung absichern. Aufsuchende und nachgehende Hilfsangebote sollen ausgebaut werden, insbesondere mit multiprofessionellen Teams. Für Kinder und Jugendliche soll mehr psychologische und psychiatrische Hilfe bereitstehen. Der rechtspolitische Sprecher Rico Gebhardt erklärt:
„20 bis 30 Prozent der Bevölkerung sind im Laufe ihres Lebens von psychischen Erkrankungen betroffen. Immer mehr Menschen werden deshalb öfter oder länger arbeitsunfähig. Bei über 400.000 Menschen in Sachsen wurde eine Depression diagnostiziert. Immer mehr Menschen erkranken bereits im jungen Alter, wobei die Altersgruppen zwischen 24 und 29 Jahren besonders stark betroffen sind. Viele Betroffene sind mehrfach belastet - Armut, Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit oder soziale Isolation erschweren die Heilung. In Sachsen werden psychisch erkrankte Menschen derzeit nicht ausreichend versorgt, insbesondere fehlen aufsuchende Hilfen und Krisenintervention im Lebensumfeld der Betroffenen. Auf Therapieplätze müssen sie oft unzumutbar lang warten. Vor allem Wohnungslosigkeit und die unzureichende gemeindepsychiatrische Versorgung verschärfen die Situation.
Die Anhörung hat gezeigt, dass vor allem die Fortschreibung des Sächsischen Landespsychiatrieplans ein wichtiger nächster Schritt wäre. Dessen letzte Fassung stammt von 2015. Sie legte zwar Grundsteine für die psychiatrische Versorgung, ist aber aufgrund steigender Betroffenenzahlen, komplexer Mehrfachdiagnosen, Krisen wie der Corona-Pandemie sowie gesetzlicher Reformen überholt. Daher fordern wir eine schnelle Neuauflage. Der gemeinsame Tenor aller Sachverständigen lautet: Die Strukturen helfen nicht, wenn sie wegen Geldmangels verloren gehen. Im Fokus steht deshalb der Doppelhaushalt 2027/2028. Psychiatrische und psychologische Versorgung, Sucht- und Eingliederungshilfe müssen ausreichend ausgestattet werden.“
Kay Herklotz, Vorsitzender des Landesverbandes Gemeindepsychiatrie Sachsen e.V., fügt hinzu:
„Ich begrüße den Antrag ausdrücklich, weil er die aktuellen Herausforderungen in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen in Sachsen klar benennt und wichtige Handlungsbedarfe sichtbar macht. Besonders positiv hervorzuheben sind der Erhalt und Ausbau gemeindepsychiatrischer Strukturen, die Stärkung aufsuchender Hilfen, wie z.B. durch die ambulante Soziotherapie, die Bekämpfung von Wohnungslosigkeit sowie die angekündigte Weiterentwicklung des Sächsischen Landespsychiatrieplans.
Aus Sicht der Gemeindepsychiatrie ist entscheidend, dass Menschen dort Unterstützung erhalten, wo sie leben. Dafür braucht es verlässliche regionale Netzwerke (Gemeindepsychiatrische Verbünde), ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen, Sozialhilfeträgern, Kommunen und Wohnungswirtschaft.
Zu den größten Baustellen in Sachsen zählen nach wie vor lange Wartezeiten auf psychotherapeutische und psychiatrische Behandlungen, erhebliche regionale Versorgungsunterschiede insbesondere im ländlichen Raum, fehlende niedrigschwellige Krisenangebote sowie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Zudem besteht weiterhin die Aufgabe, Stigmatisierung abzubauen und die gesellschaftliche Teilhabe psychisch erkrankter Menschen konsequent zu stärken.
Der Antrag setzt an diesen zentralen Punkten an und stellt damit einen wichtigen Beitrag für eine moderne, menschenwürdige und gemeindenahe psychiatrische Versorgung in Sachsen dar.“
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