Neue Zahlen zu Lücken in der ärztlichen Versorgung – Susanne Schaper: Große Aufgaben vor allem in Ost- und Südwestsachsen

Zu den Lücken in der ärztlichen Versorgung in Sachsen liegen neue Zahlen mit Stand vom 1. Januar 2026 vor. Die Vorsitzende und gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Susanne Schaper, hat die Staatsregierung erneut unter anderem zum Versorgungsgrad sowie zu unterversorgten Gebieten befragt (Drucksache 8/5348).

Großer Mangel besteht im hausärztlichen Bereich. In zehn der 48 Planungsgebiete herrscht oder droht Unterversorgung. Mit weniger als 90 Prozent besonders schlecht ist der Versorgungsgrad in Annaberg-Buchholz, Aue, Auerbach, Döbeln, Frankenberg-Hainichen, Limbach-Oberfrohna, Marienberg, Plauen, Reichenbach, Stollberg, Werdau, Zwickau, Dippoldiswalde, Görlitz, Hoyerswerda, Löbau, Riesa, Weißwasser, Oschatz und Torgau. Der Planungsbereich Werdau ist nur zu 69,1 Prozent versorgt. Landesweit müssten rechnerisch 308,5 Hausärztinnen und Hausärzte die vorhandenen 2.607,5 Medizinerinnen und Mediziner verstärken, um den Mangel zu beseitigen.

Im Bereich der Augenärztinnen und Augenärzte ist die Lage besser, allerdings ist das Gebiet Stollberg nur zu 67,7 Prozent versorgt. Dort müssten zwei weitere Arztsitze besetzt werden, sachsenweit sind es sieben. Neu ist das Versorgungsproblem im frauenärztlichen Bereich in Riesa-Großenhain. Unterversorgung mit Hals-Nasen-Ohren-Ärztinnen und -ärzte droht in Freiberg (Versorgungsgrad 70,2 Prozent) und im Planungsbereich Mittleres Erzgebirge (87,2 Prozent), außerdem in Bautzen sowie in den Planungsbereichen Löbau-Zittau (74,2 Prozent), Sächsische Schweiz (71,5 Prozent) und Muldentalkreis (74,4 Prozent). Landesweit sind neun Arztsitze frei.

Bei Hautärztinnen und Hautärzten gibt es Probleme in sieben der 25 Planungsbereiche. So sind die Gebiete Torgau-Oschatz (85 Prozent), Bautzen (75,5 Prozent) und Aue-Schwarzenberg (70,3 Prozent) stark betroffen. Akut unterversorgt ist Löbau-Zittau mit einem Grad von nur 15 Prozent, dort allein fehlen 3,5 Hautärztinnen und Hautärzte.

Kinderärztinnen und Kinderärzte fehlen vor allem in Freiberg (88,3 Prozent), die Kassenärztliche Vereinigung weist aber für sieben der 25 Planungsbereiche eine drohende Unterversorgung aus. Im Bereich Urologie gilt das für Bautzen und Riesa-Großenhain, in der Region Löbau-Zittau ist der Versorgungsgrad auf 88,8 Prozent gesunken. Bekannt ist auch der Personalmangel in der Kinder- und Jugendpsychiatrie: dort liegt der Versorgungsgrad sachsenweit bei 85,9 Prozent. Die Regionen Südsachsen (69,7 Prozent) und Oberlausitz-Niederschlesien (55,9 Prozent) leiden akuten Mangel.

Weiterhin nicht gesichert ist Sachsens Versorgung auch im Bereich Nuklearmedizin – dafür wären 19 zusätzliche Ärztinnen und Ärzte nötig, bisher sind 26,5 Arztsitze besetzt. In der zahnärztlichen Versorgung sind vor allem die Planungsbereiche Chemnitz (90,9 Prozent) und Mittelsachsen (98,3 Prozent) betroffen, der Bereich Zwickau ist nur 59,3 Prozent versorgt. Im Bereich Kieferorthopädie stechen die Planungsbereiche Vogtland (95,7 Prozent), Landkreis Leipzig (88 Prozent), Bautzen (82 Prozent) und vor allem das Erzgebirge (67,5 Prozent) negativ hervor.

Susanne Schaper erklärt:

„Es darf keine Frage des Wohnorts sein, ob man schnell ärztliche Hilfe bekommt. Niemand soll monatelang auf einen Termin warten müssen. Vor allem in den östlichen und südwestlichen Regionen Sachsens steht die Staatsregierung vor großen Aufgaben. Und der Blick auf die Altersstruktur der Bevölkerung sowie des ärztlichen Personals macht klar: Auch in Gebieten, in denen es heute keine oder nur kleine Lücken gibt, drohen Engpässe. Die ärztliche Versorgung ist ein zentraler Punkt bei der Entscheidung, ob Menschen aufs Land ziehen beziehungsweise dortbleiben. Auch medizinisches Personal lässt sich nur in Gebiete locken, die attraktive Lebensbedingungen bieten. Deshalb sind Investitionen in Verkehrsverbindungen, Kitas oder Kultur sehr wichtig.

Die Landarztquote allein wird es nicht richten. Weiterbildung und Digitalisierung müssen erleichtert, Bürokratie muss reduziert und die Vergütung regelmäßig angepasst werden, schon damit die Praxen dem benötigten Personal attraktive Bedingungen bieten können. Die Ausbildungskapazitäten müssen schnellstens erweitert werden, insbesondere muss es mehr Studienplätze für Human- und Zahnmedizin geben. Ausländische Abschlüsse müssen schneller anerkannt werden. Das Studium sollte einer größeren Zahl an geeigneten Menschen offenstehen – nicht mehr die Abiturnote sollte für die Zulassung ausschlaggebend sein, sondern auch soziale Kompetenzen.

Der Staat sollte außerdem innovative Praxismodelle wie Teampraxen und mobile Angebote wie Gemeindeschwestern unterstützen. Außerdem sollte es mehr Polikliniken geben – sie entlasten Ärztinnen und Ärzte davon, neben ihrer Tätigkeit ein kleines Unternehmen in Form einer Praxis zu führen. Die Hausarztpraxen sollten im Krankheitsfall die erste Anlaufstelle sein, um die Ressourcen des Gesundheitssystems bestmöglich zu nutzen. Unsere wichtigste Forderung lautet aber, künftig alle Sektoren zusammenzudenken und nicht länger für Krankenhäuser, Hausarztpraxen, Facharztpraxen, Poliklinken oder Apotheken jeweils getrennt Politik zu machen.“

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