Luise Neuhaus-Wartenberg: KZ-Gedenkstätte Sachsenburg womöglich gerettet - jetzt Gesamtpaket für Erinnerung schnüren!
Medienberichten zufolge hat Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch zugesagt, im Kabinett zusätzlich 1,7 Millionen Euro für den weiteren Aufbau der KZ-Gedenkstätte Sachsenburg zu mobilisieren. Dazu erklärt die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Luise Neuhaus-Wartenberg:
„Der Druck aus Zivilgesellschaft und Politik beginnt offensichtlich zu wirken. Es wäre eine Blamage ersten Ranges, wenn der weitere Aufbau der KZ-Gedenkstätte Sachsenburg scheitern würde. Wir werden die Staatsregierung an ihren Ankündigungen messen. Es ist wichtig, dass Sachsen sich die Bundesmittel durch Kofinanzierung sichert, um den Gedenkort Sachsenburg zur Bildungsstätte auszubauen, der einerseits an die Opfer erinnert und andererseits zeigt, wohin Nazi-Ideologie führt. Die Gebäude müssen erhalten und ein pädagogisches Erinnerungsangebot umgesetzt werden. Wir dürfen nicht die Chance vergeben, einen der letzten authentischen Orte früher Konzentrationslagergeschichte zu sichern und ihn in die Gedenklandschaft zu integrieren.
Selbst wenn die erforderlichen Mittel in die KZ-Gedenkstätte fließen sollten, gäbe es keine Entwarnung für die übrigen Träger und Projekte der Erinnerungspolitik. Die Linksfraktion hat daher Änderungsanträge gestellt, weil der Haushaltsentwurf der Staatsregierung auch dort großen Schaden befürchten lässt. So wollen wir die Stiftung Sächsische Gedenkstätten besser ausstatten, denn sie ist ein unverzichtbarer Akteur im Einsatz für Demokratie, Aufklärung und Antifaschismus. Laut der Stiftung reichen die im Regierungsentwurf geplanten Haushaltsmittel nicht einmal mehr aus, um den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Auch die Zuschüsse an den Förderverein der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus e.V. wollen wir steigern.
Wer die Erinnerungsarbeit kürzt, gefährdet die demokratische Bildung künftiger Generationen. Es sind oft kleine Vereine, die Gedenkstättenarbeit und historisch-politische Bildung möglich machen. Sie sind das Rückgrat der demokratischen Kultur im ländlichen Raum. Es ist beschämend, dass sie nun um jede Förderung bangen müssen. Sachsen braucht nicht weniger, sondern mehr Erinnerung – und dafür einen verlässlichen Haushalt.“
Hintergrund
Im KZ Sachsenburg nahe Chemnitz internierten und folterten SA und SS zwischen 1933 und 1937 tausende Regimegegner, darunter Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten. Wie viele Menschen dort umgebracht wurden, ist unbekannt. Im Juli 1937 wurde das KZ Sachsenburg aufgelöst. Häftlinge wurden verlegt, um das KZ Buchenwald zu errichten. Sachsenburg war wie andere Frühe Konzentrationslager eine Blaupause für den systematischen Terror. Nirgends war die Dichte solcher „Frühen Konzentrationslager“ höher als in Sachsen, hier gab davon 103 in 80 Städten.
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