Franz Sodann: Scheitert die Gedenkstätte Sachsenburg? Staatsregierung muss sich zum Abriss der Kommandantenvilla äußern!

In der vergangenen Woche hat der Betriebsausschuss des Eigenbetriebes „Immobilien der Stadt Frankenberg/Sa.“ beschlossen, Eigenmittel in Höhe von 30.000 Euro für den „Rückbau des Gebäudes an der Zschopau 10“ bereitzustellen (Download der Ursprungsvorlage hier). Hinter der Adresse verbirgt sich die Kommandantenvilla des ehemaligen Frühen Konzentrationslagers Sachsenburg. Es bestand die Absicht, die Villa möglichst schnell bis auf die Grundmauern abzutragen. Nach einem Änderungsantrag muss nun der Ausschuss nach Einholung eines Angebotes noch einmal konsultiert werden. Es besteht dringender Handlungsbedarf!

Dazu erklärt Franz Sodann, Sprecher der Linksfraktion für Kulturpolitik:

„Seit Jahren ringen viele Engagierte vor Ort und auch wir darum, dass das ehemalige Konzentrationslager Sachsenburg endlich zur Gedenkstätte wird. Dafür stehen auch Bundesmittel in Aussicht, ohne die es nicht gehen wird. Nach meiner Kenntnis hängt deren Gewährung auch davon ab, wie viel von der baufälligen ehemaligen Kommandantenvilla erhalten bleibt. Der überraschende Beschluss in Frankenberg ist alarmierend, denn er bringt möglicherweise die Bundesförderung und damit die Gedenkstätte in Gefahr. Deren Scheitern wäre ein gravierender Rückschlag für die Erinnerungskultur in Sachsen. Nach meiner Kenntnis war auch das zuständige Staatsministerium für Kultur und Tourismus nicht in die Abrisspläne eingeweiht.

Schnelles Handeln ist nötig! Zwar soll noch eine aktuelle Kostenschätzung zum Abriss eingeholt werden, aber Fördermittel des Freistaates stehen nur bis zum Jahresende bereit. Aus dem Abriss- und Brachenprogramm sollen 60.000 Euro fließen. Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich will die Sache offenbar schnell durchziehen, möglicherweise auch um den Preis, dass die Gedenkstätte insgesamt in Gefahr gerät – oder gerade deswegen?

Die Staatsregierung muss sich schnellstens äußern und aufklären, was der Abriss der Kommandantenvilla für die Gedenkstätten-Förderung bedeutet. Nirgends war die Dichte der ,Frühen Konzentrationslager‘ mit 103 Lagern in 80 Städten höher als in Sachsen. Für dieses dunkle Vermächtnis sächsischer Geschichte gibt es keinen zentralen Erinnerungs- und Bildungsort. Dabei kommt dem KZ Sachsenburg als einem der ersten Lager eine besondere Rolle zu. Es bildete die Grundlage für die späteren Konzentrations- und Vernichtungslager. Hier wurden SS-Wachmannschaften ausgebildet, welche ihr erlerntes Folterwissen u.a. nach Buchenwald und Sachsenhausen exportierten.“

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