Der Staat muss funktionieren, auch für Elfriede in Posemuckel - Aufbruch wäre gut, es zählen aber die Details

Ministerpräsident Michael Kretschmer hat eine Regierungserklärung abgegeben - Titel: „Modernisierungsagenda für Sachsen - Für mehr Effizienz und spürbare Entlastung von Wirtschaft, Kommunen und Bürgern“. Hintergrund sind zahlreiche Strukturveränderungen, die das Kabinett beschlossen hat. Wir bleiben skeptisch.

Wir leben in einem Land, in dem E-Mails ausgedruckt und wieder eingescannt werden. Staatsmodernisierung, Bürokratieabbau, Digitalisierung: Das klingt gut, wer sollte etwas dagegen haben? Die Regierung will ein Signal des Aufbruchs senden. Das verstehen wir. Aber wir warnen vor überzogenen Erwartungen. Wir müssen genau hinsehen, welche Folgen Entscheidungen haben - und für wen. Die Details zählen.

Der Zeitgeist will in Richtung Staatsabbau. So viele Vorschriften, Verfahren und Regelungen wie möglich sollen weg. In dieser Absolutheit können wir das nicht mittragen, wo es sinnvoll ist, jedoch schon. Wir sind nicht einverstanden, wenn soziale oder ökologische Standards abgeschafft werden. Wir stimmen nicht zu, wenn Beschäftigte überlastet werden. Wir jubeln deshalb nicht reflexhaft, wenn von ,Stellenabbau‘ die Rede ist. Auf den Personalstellen arbeiten Menschen. Deren Aufgaben werden in vielen Bereichen eher größer als kleiner. Der Lehrkräftemangel zeigt, was passiert, wenn Verantwortliche nur auf Kosten schauen und Weitblick vermissen lassen. Mancherorts brauchen wir sogar mehr Personal. Das gilt etwa für die Schulsozialarbeit und multiprofessionelle Teams an Schulen, für die Arbeitsschutz- und Waffenbehörden sowie für die Finanzämter, die wirksamer gegen Steuerhinterziehung vorgehen müssen.

Viele Vorschläge der Staatsregierung sind sinnvoll. Das gilt für die Digitalisierung und Vereinfachung von Förderverfahren. Ein zentrales Beschaffungswesen wäre gut, ebenso die Zentralisierung öffentlicher Ausbildungsgänge und ein modernes Ganztagsangebot. Ich bin allerdings weder ein Wackeldackel noch eine Winkekatze. Deshalb kann ich nicht nur nicken, sondern muss angesichts mancher Vorschläge mit den Augen rollen.

Das gilt zum Beispiel für die Preiserhöhung beim Bildungsticket. Wir können auch nur davor warnen, die Hochschulen mit Stellenkürzungen zu überziehen. Wenn zudem das Ziel ausgegeben wird, ein Drittel aller Fachbeiräte und viele Beauftragte abzuschaffen, gehen wichtige Perspektiven von Wissenschaft und Betroffenen verloren. Auch lehnen wir die Auflösung der Landesstiftung Natur und Umwelt ab. Eine weitere Schnapsidee wäre es, das Landesamt für Verfassungsschutz ins Innenministerium einzugliedern.

Mit zahlreichen Strukturänderungen will die Staatsregierung Geld sparen. Die Effekte dürften kleiner sein als erhofft. Man wird einige Leitungsposten einsparen, aber verbeamtetes Personal muss anderswo eingesetzt werden. Schließlich bleiben die meisten Aufgaben bestehen. Der Staat muss funktionieren - und zwar nicht nur für die Unternehmen, sondern für alle, auch für Elfriede in Posemuckel.

Die Pläne sollen Sachsen moderner machen.
Sie sollen Wirtschaft, Städte und Menschen helfen.

Staat muss gut arbeiten

Der Staat soll gut arbeiten für alle Menschen.
Auch für Elfriede in Posemuckel.
Manche Dinge im Staat sind alt und schwerfällig.
Zum Beispiel werden E-Mails ausgedruckt und wieder eingescannt.

Vorsicht bei Veränderungen

Die Regierung will vieles ändern und sparen.
Das klingt gut, aber wir sind vorsichtig.
Wir schauen genau, was die Änderungen bringen.
Nicht alle Vorschläge sind gut für alle Menschen.

Weniger Vorschriften nicht immer gut

Viele wollen weniger Vorschriften im Staat.
Das ist nicht immer gut.
Soziale und Umwelt-Regeln sollen bleiben.
Beschäftigte sollen nicht mehr Arbeit bekommen.

Manche Bereiche brauchen mehr Personal.
Zum Beispiel Schulen, Arbeitsschutz und Finanzämter.
Dort muss der Staat besser arbeiten.

Gute und schlechte Vorschläge

Manche Vorschläge sind gut.
Zum Beispiel Digitalisierung und einfachere Förderungen.
Ein zentrales Einkaufen für den Staat ist gut.
Auch mehr Ganztagsangebote an Schulen sind gut.

Aber manche Vorschläge sind schlecht.
Zum Beispiel höhere Preise für Bildungstickets.
Auch weniger Stellen an Hochschulen sind schlecht.
Wichtige Gruppen und Stiftungen sollen nicht abgeschafft werden.

Geld sparen mit Folgen

Die Regierung will Geld sparen mit Strukturänderungen.
Das spart aber weniger Geld als gedacht.
Manche Stellen werden wegfallen.
Aber die Arbeit bleibt gleich oder wird mehr.

Der Staat muss für alle gut arbeiten.
Nicht nur für Firmen, sondern für alle Menschen.

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