217/2017: LINKE in Luther-Debatte: Ja zu Toleranz und Nächstenliebe

LINKE in Luther-Debatte – Buddeberg: Keine religiösen Totschlagargumente / Jalaß: Toleranz und Nächstenliebe


Anlässlich der Aktuellen Debatte „Dem Volk aufs Maul schauen – Luther heute – Kennen und leben christlicher Werte in unserer Zeit“ auf Antrag der Koalitionsfraktionen von CDU und SPD sagt René Jalaß, Mitglied der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag

,Dem Volk aufs Maul schauen‘ – welchem Volk? Wer gehört dazu? Deutsche? Biosachsen? Alle? Wenige? Was passiert dann? 

Bei aller Achtung vor der historischen Leistung der Kirchen im Sozialbereich: Ich brauche keinen religiösen Unterbau für Frieden und Solidarität, weder Kreuze in Klassenzimmern noch Konfession bei Sozialeinrichtungen oder Jugendhilfeträgern. Wollen Sie den Leuten auf’s Maul schauen und Toleranz und Nächstenliebe üben, dann gehen Sie raus zur Demo gegen den Abschiebgewahrsam. 

Die „Würde“ in Artikel 1 des Grundgesetzes kennt keinen Konjunktiv. Ich zitiere den Sächsischen Flüchtlingsrat anlässlich der heutigen Demonstration: ,Die Inhaftierung aller schutzsuchenden Menschen aber ist an moralischer Entgrenzung nicht zu überbieten.“ 

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Sarah Buddeberg, fügt dazu: 

Die CDU/SPD-Koalition wünschte sich eine Aktuelle Debatte zu Luther. Ja, die Wertediskussion ist in Sachsen wichtig, das zeigen Beispiele wie Clausnitz, Bautzen, Freital. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“ – Goethe heute – Kennen und leben humanistischer Werte in unserer Zeit? – so könnte man die Debatte auch betiteln. 

Ein CDU-Kollege, dessen Namen ich nicht nenne, der sich sicher wiedererkennt, brachte in der Diskussion zur Gleichstellung als Ablehnung das „Argument“: Gott hat Mann und Frau in ihrer Unterschiedlichkeit nach seinem Ebenbild geschaffen – nachzulesen am Beginn der Bibel. Da wird die politische Position mit dem Wort Gottes untermauert – ein Totschlagargument. 

Am 17. Juni 1990 beschloss die WHO, Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel für Krankheiten zu streichen, daran erinnert heutiger Aktionstag gegen Homo- Trans- Interfeindlichkeit. Bis heute werden LSBTTIQ* als Minderheit ausgegrenzt, stigmatisiert, pathologisiert, strukturell ausgeschlossen und erfahren physische und psychische Gewalt. Wenn diese Gewalt durch christliche Werte begründet wird, steige ich aus der Debatte aus – das ist finsteres Mittelalter!





Veröffentlicht am:
14:53:47 17.05.2017



 
 



Login
Contrexx