068/2017: Boom der Gesundheitsbranche nicht nur Grund zur Freude

Schaper: Mehr Armut führt zu mehr Krankheit – wohnortnahe medizinische Versorgung in Sachsen verbesserungsbedürftig

Den Artikel „Gesundheitsbranche in Sachsen wächst und wächst“ (Dresdner Morgenpost vom 16.02.2017) kommentiert die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag Susanne Schaper

Die Meldung des florierenden Wirtschaftszweiges Gesundheit ist nicht wirklich ein Grund zu Freude. Dass die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitsbereich so rasant angestiegen ist, ist ein Resultat des demografischen Wandels und des damit verbundenen zunehmenden Bedarfs an medizinischer Versorgung. Hinzu kommt, dass gerade im Gesundheitsbereich eine immense Arbeitsverdichtung pro Kopf vorliegt und es daher zwingend notwendig war, neue Arbeitskräfte einzustellen. 

Die steigenden Ausgaben für die Gesundheit sind Anzeichen einer immer kranker werdenden Gesellschaft. Gründe dafür sind unter anderem auch die immer älter werdende Bevölkerung und zunehmende Armut in Sachsen, was sich zum Teil auch darin widerspiegelt, dass in Sachsen mehr Gesundheitskosten von den Krankenkassen übernommen werden als im Bundesdurchschnitt. Daher muss das Wachstum in diesem Bereich eher als Warnsignal verstanden werden. Wir fordern daher von der Staatsregierung, sich auf Bundesebene für höhere Hartz-IV-Sätze einzusetzen, sowie Bedingungen zu schaffen, damit auch im ländlichen Raum von dem Wachstum der Gesundheitsbranche profitiert werden kann. 

Mit unseren Anträgen „Landesoffensive für eine bedarfsgerechte, flächendeckende und gut erreichbare medizinische Versorgung in Sachsen“ (Landtags-Drucksache 6/1858) und „Wohnortnahe Haus- und Facharztversorgung sowie ambulante Heil- und Gesundheitsversorgung als Teil der sozialen Daseinsvorsorge sichern!“ (Landtags-Drucksache 6/6123), die jedoch keine Mehrheit fanden, haben wir Wege aufgezeigt, wie das gelingen kann. 

Die Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche müssen ebenfalls dringend verbessert werden. Auch hier macht sich das Wachstum, gerade bei den Zahlen der Beschäftigten, bislang kaum bemerkbar. Höhere Verdienstmöglichkeiten in diesem Bereich könnten außerdem dazu führen, dass auch mehr Männer den Weg in den Pflegeberuf finden, welcher bislang größtenteils von Frauen dominiert wird. So positiv es auch klingen mag, dass die Gesundheitsbranche als Teil der gesellschaftlichen Vorsorge an Stellenwert auch in finanzieller Hinsicht zunimmt, muss man auch in diesem Bereich die Verteilungsgerechtigkeit im Auge behalten.





Veröffentlicht am:
10:46:04 17.02.2017



 
 



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