Fünf Fragen zu Dynamo Dresden an MdL Verena Meiwald,
 Sprecherin für Sportpolitik der Fraktion
 DIE LINKE im Sächsischen Landtag
 
 


1. Wird beim Ausschluss von Dynamo Dresden aus dem DFB-Pokal ein Exempel statuiert?
 
Natürlich sprechen die 28 Strafen, die der DFB seit 2002 gegen den Verein verhängen musste, eine deutliche Sprache - ja es gab und gibt Probleme im Fan-Umfeld von Dynamo. Und Dynamo steht mit diesem Problem beileibe nicht allein im Fußball. Hier werden aber der gesamte Verein und die vielen friedlichen Fans bestraft und ja, es scheint so, als ob an Dynamo ein Exempel statuiert werden soll. Was die Vereine aber jetzt brauchen, ist Unterstützung durch Politik, DFB und die Polizei, um die Gewalt und Gewalttäter aus den Stadien zu verbannen. Denn mit Fußball und Sport haben diese Gruppierungen nichts am Hut. Das sind keine Fans, sie lassen sich auch nicht von einem DFB-Urteil beeindrucken – ganz im Gegenteil, solch ein Urteilsspruch kann sogar neue Provokationen wecken!  
 
2. Was für eine Alternative zur Verbesserung der Lage in den Stadien gibt es denn?

Eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Vereinen, DFB und Sicherheitskräften kann nie schaden. Stadienverbote sind nur sinnvoll, wenn sie auch durchgesetzt werden können. Und wie wichtig die Arbeit der Fanprojekte ist, zeigt sich in den positiven Entwicklungen, die auch die Fanszene rund um Dynamo in den letzten Jahren genommen hat. Diese Arbeit wurde und wird durch das „Fanprojekt-Dresden“ geleistet. Durch dieses Urteil wird dessen Arbeit aber verkannt und zunichte gemacht. So wurde in Zusammenarbeit mit der „Fangemeinschaft Dynamo e.V.“ eine „Fancharta“ entwickelt. Diese Regelung, die u.a. gegen Rassismus und Gewalt in den Stadien eintritt, wurde direkt von und für echte Fans entwickelt.


3. In der öffentlichen Diskussion hat man oftmals den Eindruck, dass es schon eine Mehrheit gewaltbereiter Dynamo-Fans gibt!

Wenn zum Heimspiel 29.000 Zuschauer im Stadion sind und es gefühlte 100 Irre gibt, die durch Hass und Gewalt auffallen, kann man sich nur den Worten von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer anschließen, der betonte: „Fans von Dynamo Dresden sind das nicht. Das sind einige Idioten, die das Spiel als Plattform missbrauchen.“
Das Zuschauerbild hat sich, insbesondere nach dem Aufstieg in die Zweite Liga, gravierend geändert. Es gehen immer mehr Familien mit Kindern ins Stadion, um ihre Mannschaft anzufeuern. Und sie sind es, die das Bild der Dynamo-Fans in Zukunft prägen werden.


4. Pyrotechnik: „Südländische Leidenschaft“ oder Gefahr für Zuschauer und Spielablauf?

In vielen europäischen Stadien gehört Pyrotechnik zum emotionalen Erleben eines Fußballspiels wie selbstverständlich dazu – aber nur in kontrollierten Choreographien und höchstens in Form von Bengalos. Wo Sicherheitsrisiken bestehen, der Brandschutz nicht gewährleistet ist oder andere Fans und Zuschauer gefährdet werden, muss auch dies kritisch hinterfragt werden. Definitiv keine Legalisierung darf es für Rauchbomben, Raketen und Knallkörper geben. Aber es ist ein schmaler Grad, auf dem sich die Ultras, auch mit ihrer Initiative „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“, bewegen. So entwickeln  manche sogenannte Fans eine hohe kriminelle Energie, um sich illegale Feuerwerkskörper zu besorgen und diese auf abenteuerlichen Wegen ins Stadion zu schmuggeln. Um dem wirksam entgegenzutreten, helfen nur verstärkte Einlasskontrollen.


5. Ausgangspunkt der Debatte ist das Spiel gegen Dortmund -  ist auch den Organisatoren vor Ort unzureichende Vorbereitung vorzuwerfen?

Es hat wie vor jedem Spiel eine Sicherheitsberatung zwischen den Vereinen, dem DFB und den Sicherheitskräften stattgefunden. Dabei wurden: Fantrennung; Pufferzonen zwischen den Blöcken; ein Alkoholverbot und eben verstärkte Einlasskontrollen gefordert. Allem Anschein nach hat nicht nur der BVB die Lage aber komplett unterschätzt. Dass sie nun der Meinung sind, dass selbst die vergleichsweise milde Strafe von 8.000 € für Sicherheitsmängel unbegründet ist, kann ich nicht nachvollziehen.
Verdichtet sich aber der Verdacht des
„Spiegel“, dass Neonazigruppen aus Dresden und Dortmund die Aktionen bereits im Voraus geplant hatten, muss man den Fall komplett neu beurteilen. Denn dass die rechtsextreme Szene in Dortmund leider sehr vernetzt und gefährlich agiert, ist kein Geheimnis.
 



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